... bieten Menschen, die in unseren Tagen einen Hotelbetrieb führen, alles – nur nicht das, was ein Hotelgast braucht? Weißer Marmor und automatische Türen – aber keine schließenden Gardinen. Samtgepolsterte Treppengeländer – aber keine Hosenbügel im Schrank,

Wer viel reist, der viel leidet: Bestelle ich im Europäischen Hof zu Heidelberg als Frühstück einen Yoghurt und nur Tee, kommt selbstverständlich ein Riesentablett mit Hörnchen, Brötchen, Graubrot, Schwarzbrot, Honig, Butter, Marmelade und eine schöne (häßliche) Kanne Kaffee; dafür war abends die halbe Flasche Bordeaux eine ganze – und schön fest verschlossen, Korkenzieher, gar Kellner, nicht in Sicht.

Bitte ich im Hotel Zürich, mir (nach einem Vortrag) abends etwas Schweizer Käse, Obstsalat und eine ganze Flasche Bordeaux aufs Zimmer zu stellen, steht dort selbstverständlich Camembert, grüner Salat und eine Flasche Chablis; dafür ist dann mein Schirm weg. Das könnte fortgeführt werden – die Zeitungen, um die ich bat, und das Frühstück, das ich bestellte, habe ich während der fünf Frankfurter Messe-Tage nicht einmal bekommen – aber schöne Nachrichten und Telegramme für allerlei Verleger und Autoren; das war natürlich auch sehr interessant, aber eigentlich wär’s mir umgekehrt lieber.

Es wird doch niemand gezwungen, ein Hotel zu leiten, zu besitzen, zu eröffnen? Es wird doch niemand gezwungen, eine kleine rosa Kirsche in die Grapefruit zu bohren – aber die drippelnde Dusche nicht zu reparieren? Nur einer wird gezwungen der Gast zum Zahlen – der nachts sich totgeschwitzt hat, weil die Heizung nicht abzustellen war, und nachmittags nicht ruhen konnte, weil; „Ja, in der Etage über Ihnen ist eine Tagung mit 200 Menschen.“ Am besten, sie betrieben ihre Hotels nur so, mit Liftmusik und Samt und Marmor – aber ohne Gäste, die stören nämlich. F. J. R.