Mit Hilfe spezieller Sicherheitsparcours will die Stiftung Sicherheit im Skisport“ (SIS) die steigende Zahl der Skiunfälle bremsen und zum umsichtigen Skifahren erziehen. Indes das Sicherheitstraining stößt auf wenig Interesse.

Als Trainingsgelände empfiehlt die „Stiftung Sicherheit im Skisport“ spezielle Parcours, das sind künstliche Hindernisbahnen, in denen Skifahrer richtiges Verhalten in Gefahrensituationen lernen, ihre Kurventechnik testen und sogar ein Examen als „SIS-geprüfte“ Pistenbenutzer ablegen können.

Die ersten fest installierten Modellparcours wurden im vergangenen Winter in Oberstdorf, Pfronten, Reit im Winkl und Bayerisch Eisenstein aufgestellt. Um das sichere Fahren auch populär zu machen, baute die Stiftung den Feriengemeinden die Anlage kostenlos auf. Eine solche Hindernisbahn für Skifahrschüler besteht aus einem Schlepplift und zehn Abfahrstationen: einem Kreisverkehr, einer Sprungschanze, einem Labyrinth, in dem das Ausweichen gelernt werden soll und aus Stoppstellen für das Notsturz-Training. Ein Trichter verlangt gezieltes Bremsen und eingebaute Trickpassagen Geschicklichkeit.

Wer die kritischen Fahrsituationen im Parcours beherrscht und anschließend auch zwölf Fragen nach dem richtigen Verhalten auf der Piste korrekt beantwortet, bekommt eine SIS-Prüfungsplakette. Im letzten Winter erwarben dreieinhalbtausend Skiurlauber eine solche Auszeichnung. Daß es nicht mehr waren, führt die Stiftung vor allem auf verbreitetes Desinteresse der Skischulen und Verkehrsämter zurück. Die Skischüler und Liftkunden würden viel zuwenig zum unfallfreien, rücksichtsvollen Fahren animiert, lamentierte jüngst ein Sprecher des Skiverbandes.

Immer noch ist Schnelligkeit Trumpf. Während sich die Autowerbung verstärkt auf die Sicherheitsaspekte konzentriert, dominiert in der Skireklame das Rennfahrerimage. Und alpine Feriengemeinden, die eine Dauerrennstrecke mit automatischer Zeitmessung für ihre Gäste im Pistenterrain einrichten, werden auch noch allseits gelobt und nachgeahmt. Die Einrichtung eines Trainingsgeländes für rücksichtsvolles Skifahren hingegen scheint den meisten Gemeinden zu teuer.

Auf mehr Kauf begeisterung stößt eine mobile preisgünstige Miniausgabe des Parcours, den die Stiftung für rund 50 Mark vertreibt. In der letzten Saison haben 48 Skiklubs und Verbände ein solches Trainings-Set mit Wegweisertafeln, Hindernisfähnchen und Sperrseilen erworben. Weitere 40 werden jetzt ausgeliefert.

Neben abgetrennten Renn-Gettos und Sicherheitsparcours sollen demnächst auch spezielle Fitneßanlagen zum Aufwärmen der steifgefrorenen Muskeln die alpinen Skiregionen bereichern. Die Schweizer Sportlehrerin Marlie Luchsinger stellte jetzt einen neu entwickelten Ski-Fit-Parcours vor, der Liftfahrer oben auf den Gipfeln anhalten soll, sich vor der Sturzfahrt erst ein bißchen einzuturnen. Ein solcher Turnplatz besteht aus acht Bildtafeln mit Turnübungen. Damit die faulen Skifahrer auch wirklich zum Armschwingen, Rumpfbeugen und Rückenfedern motiviert werden, sollen die Ski-Fit-Parcours gleich am Liftausstieg anfangen.

Brigitte Zander