Dies ist in Bonn nun die Woche der Abschiede und Antritte, auch mit fein abgestuftem Protokoll. Klaus Bölling, der Regierungssprecher, hat der Bonner Presse Valet gesagt, wie immer in wohlgesetzter Rede, und der Vorsitzende der Bonner Pressekonferenz, Ernst Ney, hat ihm vor vollem Saal viele gute Wünsche mit auf den Weg gegeben – und einen Eisbären aus Porzellan, denn es geht ja nach Osten, in die politische. Kapitale der DDR, bei nicht günstiger politischer Wetterlage. Anspielungen können die Bonner Journalisten eben nicht lassen.

Zur Verabschiedung Böllings und seines Stellvertreters Armin Grünewald im Presseamt und zum Amtsantritt seines Nachfolgers Kurt Becker (dessen Stellvertreter Lothar Ruehl erst ein wenig später mit der Arbeit beginnt) ist der Kanzler höchstselbst gekommen, ein ganz seltener Besuch in dieser Dependance der Regierungszentrale. Der Wechsel geht ganz unprätentiös vor sich, beinahe geschäftsmäßig, hanseatisch nüchtern.

Eine Nuance anders hingegen bei der Verabschiedung Manfred Schülers, des Kanzleramtschefs: Da gibt es an diesem Donnerstag in der „Redoute“, einem alten kurfürstlichen Ballhaus und sozusagen dem gesellschaftlich feinsten Ort in Bonn, ein Abendessen, zu dem der Kanzler und Frau Schmidt geladen haben. Aber das ist eben der kleine Unterschied: Klaus Bölling bleibt im Staatsdienst, Manfred Schüler hingegen, der zur Kreditanstalt für Wiederaufbau wechselt, verläßt ihn. Und wenn der Kanzler beide gewiß nicht leichten Herzens ziehen sieht, das Protokoll zeigt die Nuance akribisch an.

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Sensibel und aufgeschlossen, so will sich die CDU fortan zeigen. Die Klausur ihres Bundesvorstands am vergangenen Wochenende hat es bekräftigt: Offen soll sie sein vor allem für die Probleme der jungen Leute, auch der Frauen, für das schwierige Verhältnis zwischen Ökonomie und Ökologie oder für Nord-Süd-Probleme.

Natürlich bleibe abzuwarten, meinen Skeptiker, wie weit der neue Ton durchgehalten werde, wenn es etwa auf den geplanten Fachkongressen der Partei zum Schwur komme. Aber semantisch werden alte Bastionen schon kräftig geschleift; am deutlichsten bisher in der Ostpolitik.

Da hat, nachdem schon Helmut Kohl in der Bundestagsdebatte über die Ostpolitik einige vielbeachtete Sätze gesagt hatte, jetzt zum Beispiel Alois Mertes auf der Berliner Jahrestagung des Kuratoriums „Unteilbares Deutschland“ zu Protokoll gegeben: „Die sozialliberale Koalition hat die Ostverträge in den Himmel gehoben und die Opposition sie in die Hölle verdammt. Holen wir sie jetzt auf die Erde zurück.“