Die Chancen bleiben, die Schwierigkeiten wachsen. So beurteilt der Präsident des Groß- und Außenhandels, Hans Hartwig, die Zukunft der wirtschaftlichen Ost-West-Beziehungen. Zu den Vorteilen zählen, daß Ost und West einander ergänzen. Die natürlichen Ressourcen des Ostblocks und Chinas sowie deren Ziel, die wirtschaftliche Entwicklung auch unter erschwerten Bedingungen voranzutreiben, erforderten einen weiteren Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen zur westlichen Welt. Als Beeinträchtigung bezeichnete Hartwig die weltweite Energieverknappung und -verteuerung mit ihren gesamtwirtschaftlichen Folgewirkungen.

In die gleiche Richtung geht eine Äußerung von Otto Wolff von Amerongen. „Für den Osthandel“, so der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages (DIHT), „gibt es keine wirtschaftlich vertretbare Alternative.“ Eine Umorientierung der westdeutschen Ausfuhren auf Entwicklungsländer sei nicht möglich, da sich der Handel mit Entwicklungsländern weder beliebig steigern noch der Handel mit dem Ostblock willkürlich senken lasse. Daher wandte sich der DIHT-Präsident auch nachdrücklich gegen politisch motivierte drastische Kürzungen des Osthandels.

Wie ehrgeizig die Wirtschaftspläne der Ostblockländer noch immer sind, zeigt der Volkswirtschaftsplan 1981 der DDR. Danach soll das produzierte Nationaleinkommen um fünf Prozent steigen, die industrielle Warenproduktion sogar um 5,8 Prozent. Die Arbeitsproduktivität soll um fünf Prozent angehoben werden. Gleiche Steigerungsraten – nämlich vier Prozent – sind für die Nettogeldeinnahme der Bevölkerung und für das Warenangebot vorgesehen.

Zu einem neuen Rekord werden es die Westdeutschen in diesem Jahr bei ihren Reiseausgaben gebracht haben. Nach Berechnungen der Dresdner Bank werden 37 Milliarden Mark für Auslandsreisen ausgegeben. Dagegen hat die heimische Reisebranche nur rund zwölf Milliarden von Ausländern kassiert. Das Defizit von 25 Milliarden erreicht damit fast die Höhe des gesamten Leistungsbilandsdefizits.

Es bleibt – vorerst – alles beim alten. Die von der norddeutschen Küste verkehrenden Butterschiffe fahren weiter, da der Agrarrat der Europäischen Gemeinschaft keine ausdrückliche Entscheidung über eine Verlängerung der Sonderregelung für Butterschiffe gefällt hat. Auf deutscher Seite gibt man sich sogar zuversichtlich, daß die Sonderregelung weiter verlängert wird, zumal Dänemark, Hauptlieferant der Butterschiffe, die deutschen Forderungen massiv unterstützt.

gf