Bankier Hans-Hermann Münchmeyer soll als ehemaliges Aufsichtsratsmitglied der pleite gegangenen Lenz-Bau AG, Hamburg, für einen Kredit haften, den auf einstimmigen Beschluß des Aufsichtsrates der damalige Großaktionär Lewston in England erhalten hat. Das Landgericht Hamburg unterstellt, daß Münchmeyer zum Zeitpunkt der Kreditvergabe von Schwierigkeiten bei dem später liquidierten englischen Unternehmen gewußt hat, was Münchmeyer indessen bestreitet.

Natürlich wird dieses Urteil noch weitere Instanzen beschäftigen. Aber schon heute wird deutlich, daß in der modernen Rechtsprechung die Neigung besteht, Haftungsverpflichtungen enger als bisher auszulegen. Und dies nicht nur bei Aufsichtsräten.

Für Bankiers in solchen Gremien ist das eine heikle Entwicklung, weil „bei ihnen etwas zu holen ist“. Möglicherweise wird die Justiz das schaffen, was die Politiker bisher nicht erreicht haben, nämlich den Einfluß der Banken in den Aufsichtsräten durch Haftungsandrohungen zu begrenzen. Tantiemen werden nicht mehr ohne Risiko kassiert. K. W.