Von Heinz Blüthmann

Max Grundig, der Pionier und große alte Mann der deutschen Unterhaltungselektronik, hat immer noch das Zeug, die Branche das Fürchten zu lehren. „Er ist zwar alt“, witzelt ein Vertrauter, „aber kein Weihnachtsmann.“

Daß es ein schwerer Fehler wäre, nicht mit Argusaugen darauf zu achten, was der 72jährige Patriarch gerade ausheckt, hat zwei Grunde: Erstens denkt der eigenwillige – für unfreundliche Kritiker sogar starrsinnige – Konzerneigentümer nicht selten auf gänzlich anderer Wellenlänge als die angestellten Manager der Konkurrenz. Er ist deswegen schwer auszurechnen und immer gut für eine Überraschung. Und zweitens hat das meiste, was Grundig seinen Leuten verordnet, zwangsläufig gewichtige Folgen für alle am Markt, denn er ist der Größte – nicht nur bei HiFi-Anlagen: etwa jedes vierte hierzulande verkaufte TV-Gerät stammt aus seinen Werken.

Gerade in diesen Wochen besteht Anlaß zu erhöhter Wachsamkeit in den Chefetagen der Grundig-Mitbewerber Blaupunkt, Körting, Loewe Opta, Metz, Nordmende, Saba, Standard Elektrik Lorenz (SEL), Philips, Telefunken und der japanischen Anbieter einschließlich der deutschen Sony-Tochter Wega. Denn Max Grundig hat Probleme und muß etwas tun. Die bange Frage der Konkurrenten: Was hat er vor?

Weil der deutsche Color-Geräte-Absatz aller Hersteller zusammen von Januar bis November um fast fünf Prozent hinter den Vorjahresergebnissen zurückblieb, meldete die vertrauliche Branchenstatistik zuletzt einen Bestand unverkaufter TV-Apparate allein bei der Industrie von 715 000 Stück – 85 000 Geräte mehr als ein Jahr zuvor. Was die Situation allerdings erst richtig brisant machte ist dies: „Ein knappes Drittel“ der Halde geht allein auf Grundigs Konto, räumt Vertriebschef Axel Bartmann auf Anfrage ein.

Gemessen am Grundig-Marktanteil von, so Bartmann, 25 Prozent bedeutet das: Der Branchenführer hat sein Verkaufssoll überdurchschnittlich schlecht erfüllt. Firmensprecher Karl-Heinz Schmidt räumt ein: „Wir sind im Rückstand.“

Vor gut einem Jahr, als die Pläne für 1980 in der Fürther Konzernzentrale schon standen, tönte Firmengründer Grundig selbstsicher: „Wir haben einen langjährigen Stamm von Mitarbeitern, und wenn man 20, 30 oder 40 Jahre in der Branche ist, hat man eben das sichere. Gefühl dafür, was gehen wird und was nicht.“ Eben nicht.