Die wirtschaftspolitische Zukunft der nächsten vier Jahre sieht der engagierte Ost-Händler Otto Wolff von Amerongen kurz vor der Jahreswende als einen „sehr grauen Alltag“. Die Weltwirtschaft werde von außenpolitischen Risiken überschattet: Auf der einen Seite der Osten „mit einem noch starken inneren Kern der Sowjetunion“, auf der anderen ein Amerika, das seinen außen- und innenpolitischen Tiefpunkt der Vergangenheit vergessen will. Krisenherde zudem im Nahen Osten, neue in Zentralamerika. Und mit der UN-Forderung, das südliche Afrika zu boykottieren, wurde, so Wolff, „völlig überflüssigerweise erneut Öl ins schwelende Feuer gegossen“.

Auf der wirtschaftlichen Seite kömmt die Vorsicht der Ölländer, ihre Überschüsse zu investieren. Und die Unsicherheit in Lateinamerika, die die Absatzchancen mindere, hinzu. Auch im pazifischen Raum sehe die Lage nicht besser aus. Alles in allem schlechte Aussichten für den Welthandel, besonders für die deutsche Exportwirtschaft.

Bedrückt gab sich Wolff auch angesichts der Risiken des deutschen Osthandels, sollte in Polen etwas passieren. Seine alte These, „der Osthandel muß langfristig gepflegt werden, er kann nicht auf- und abgedreht und nicht als Ventil benutzt werden“, sieht der Ost-Experte heute ernsthaft bedroht.

Alles in allem werde die Firma Deutschland wirtschaftspolitisch keine Erfolgserlebnisse haben. Und auf den Kanzler gemünzt meint Wolff: „Was das für einen psychologischen Einfluß auf Leute haben wird, die mehr aktionsbewußt sind, möchte ich nicht beurteilen.“ Das klang fast so, als habe er Sorge, ob Helmut Schmidt, ansonsten der Macher, den „grauen Alltag“ auch durchstehen werde.

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Einem grauen Alltag mit 1,3 Millionen Arbeitslosen, vielleicht schon im März kommenden Jahres, möchten einige Politiker in der SPD-Fraktion rechtzeitig entgegentreten. Man ringt um Beschäftigungsprogramme. Man – das sind vor allem zwei miteinander konkurrierende Exponenten: Uwe Jens, seit kurzem neuer Obmann der SPD im Wirtschaftsausschuß und Wolfgang Roth, der bei der Bewerbung um diesen Posten Jens unterlag, als einer der stellvertretenden Vorsitzenden im SPD-Arbeitskreis Wirtschaft aber keineswegs ohne Einfluß geblieben ist.

Der Arbeitskreis, noch immer fest im Griff des Vorsitzenden Hans Jürgen Junghans, wird am 19. Januar in Klausur gehen. Dann erst geht das Ringen um Beschäftigungsprogramme erst richtig los. Ein umstrittener Punkt ist die Kürzung der Mischfinanzierung für die Gemeinschaftsaufgaben von Bund und Ländern. Damit entfällt allein knapp eine Milliarde Mark, womit der Handlungsspielraum für Programme weiter eingeengt wurde.