Die Börsianer haben resigniert. In den letzten Tagen vor dem Jahresschluß erwarten sie lediglich noch Langeweile. Von der sonst am Ultimo spürbaren Hektik ist diesmal keine Spur. Die Großanleger, und sie geben allein den Ton an, haben ihre Bücher bereits geschlossen. Größere Veränderungen in den Beständen würden nur stören.

Allerdings gibt es Störenfriede, die aus Sorge vor der Kursentwicklung im Januar sich noch kurz vor Jahresschluß von einem Teil ihrer Papiere trennen. Dadurch kommt es zu tendenziell schwächeren Kursen. Die Karstadt-Aktien erreichten vor dem Weihnachtsfest sogar einen neuen Jahrestiefststand, auch eine Besonderheit; denn üblicherweise werden Kaufhaus-Aktien in den Wochen vor dem Jahresschluß mit besonderem Wohlwollen verfolgt. Aber natürlich nur dann, wenn das Weihnachtsgeschäft gut läuft. Davon kann diesmal nicht die Rede sein.

Kaufhaus-Aktien unterliegen außerdem einer zusätzlichen psychologischen Belastung. Denn mit der Übernahme der bisher im Besitz der Commerzbank und der Dresdner Bank befindlichen Kaufhof-Aktien durch die Metro und die Schweizerische Bankgesellschaft ist vielen Börsianern erst klargeworden, wie hart der Wettbewerb im Einzelhandel ist und noch zu werden droht. Goldgruben sind die deutschen Warenhäuser längst nicht mehr. Und wenn dann ein Unternehmen wie Karstadt mit Neckermann noch einen Klotz am Bein hat, liegt die Überprüfung seines Aktienkurses nahe.

Zu einer Neubewertung kann es im kommenden Jahr auch bei den deutschen Versorgungsaktien kommen. Normalerweise müßten sie von einer eventuellen Zinssenkung profitieren, weil auf diese Weise die Aufwandseite entlastet wird. Auf der anderen Seite werden die politischen Instanzen aber unwilliger, notwendige Preiserhöhungen zu bewilligen. K. W.