Der Pekinger Schauprozeß gegen die kulturrevolutionäre ke um Maos Witwe dient den chinesischen Reformkommunisten als Mittel im Kampf gegen Maos Nachfolger Hua Guofeng.

Schon die Anklageschrift brachte es ans Licht. Dutzende von Opfern der sogenannten aufgeführt, de“ wurden namentlich aufgeführt, unter, ihnen die drei starken Männer des nachmaoistischen China: Vizevorsitzender Deng Xiaoping, Ministerpräsident Zhao Ziyang und Partei-Generalsekretär Hu Yaobang. Nur ein Name fehlte: Hua Guofeng, der Mann, der im Oktober 1976, nach Maos Tod, die Macht, usurpiert hatte, und den Kreis um Maos Witwe verhaften ließ.

Da der Prozeß hinter geschlossenen Türen stattfindet – nur ein paar hundert zuverlässige Genossen sind als Zuschauer geladen –, erfährt die Welt nur, was die Zensur für Fernsehen und Presse freigibt. Peinlich wird in den Berichten jeder Hinweis auf Mao oder Hua ausgespart. Inoffiziell wurde jedoch in Peking bekannt, daß die Angeklagte Jiang Qing Maos Verantwortung: für die Kulturrevolution und Huas Mitverantwortung für die Entmachtung Deng Xiaopings im April 1976 offen ausgesprochen habe.

Zur gleichen Zeit wurde in der Parteipresse in einer kaum noch verhüllten Kritik am Parteivorsitzenden Hua dessen Initiative beim Sturz der „Viererbande“ geleugnet, vielmehr den Massen das Verdienst zugesprochen.

Der Prozeß; vor dem Sondergericht wird mit verteilten Rollen geführt. Die sechs mitangeklagten Verschwörer aus dem Kreis des einstigen Verteidigungsministers Lin Piao und die beiden Jüngsten der „Viererbande“ bekennen sich schuldig, um ein mildes Urteil zu erreichen. So bleiben zwei „böse“ Angeklagte übrig, die sich „verstockt“ zeigen: Maos Witwe und der einstige. Vizepremier Zhang Chunqiao. Sie müssen mit lebenslänglicher oder sogar mit der Todesstrafe rechnen. Kj.