Die Kommunistische Internationale, bekannt unter dem Namen Komintern oder Dritte Internationale, wurde im März 1919 von Vertretern kommunistischer Parteien in Moskau gegründet. Das programmatische Ziel dieser Weltorganisation des Kommunismus war die „Weltrevolution“. Trotz des propagierten Internationalismus aber diente die Komintern bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1943 in der Hauptsache als Instrument sowjetischer Kontrolle über die kommunistische Bewegung.

Die Komintern entstand aus der Krise der proletarischen Bewegung zu Beginn des Ersten Weltkriegs. Denn der lockere „Gesinnungsverband“ der „Zweiten Internationalen“ zerbrach in den ersten Kriegstagen. Der „rechte“ Flügel (z. B. die deutschen Sozialdemokraten, die französischen und belgischen Sozialisten) hatten; sich für die Unterstützung der eigenen nationalen Regierungen (Zustimmung zu Kriegskrediten) entschieden, während eine „Mitte“ (ein Teil der englischen Sozialisten) für den Pazifismus eintrat. Und die „linke“ Gruppe unter Führung Lenins träumte davon, den Krieg der Nationalstaaten in einen transnationalen Krieg der Klassen zu verwandeln.

Den Zweck der Komintern formulierte Paragraph 1 der Statuten: „Sturz des Kapitalismus, Errichtung der Diktatur des Proletariats und einer internationalen Sowjetrepublik.“

Die Organisationsstruktur der Komintern glich der einer sowjetkommunistischen Partei. Die Entscheidungen des Exekutivkomitees waren für alle kommunistischen Mitgliedsparteien bindend. Die Politik der Komintern änderte sich je nach den Bedürfnissen der sowjetrussischen Herrschenden.

Im Jahre 1921 wurde die Komintern in den Dienst der sowjetischen „Neuen ökonomischen Politik“ gestellt und das weltrevolumischen Ziel dem Bedürfnis Moskaus nach äußerer Sicherheit und nach Wirtschaftskrediten untergeordnet. „Linken“ Radikalismus sollte es fortan in der Komintern nicht geben. Zunächst wurde auch eine Einheitsfront-Politik verfolgt. Der politische Machtkampf nach Lenins Tod führte dazu, daß Trotzki und wenig später die „linke“ Opposition um Sinowjew (1926) ausgeschaltet wurden. Die Stalin-Diktatur galt nun auch für die Komintern.

Auf dem sechsten Kongreß der Komintern – 1928 – wurde eine erneute Kursänderung festgelegt: Wieder waren es gemäßigte Sozialisten, die zum Hauptfeind erklärt wurden. In Deutschland bekämpften die Kommunisten die Sozialdemokraten, ein Kampf, der selbst in den KZs noch fortgeführt wurde (siehe Karl Billinger: „Schutzhäftling 888“, München 1978), während sie zusammen mit den Nazis die Weimarer Republik vernichteten.

Auf dem letzten Weltkongreß der Komintern im Jahre 1935 entwarfen die angeschlossenen Parteien das Konzept der Volksfronten. Liberale und gemäßigte Sozialisten sollten im Verein mit den Kommunisten den Faschismus und Nationalsozialismus bekämpfen. Die Komintern war jetzt Instrument sowjetischer Außenpolitik. Doch im spanischen Bürgerkrieg liquidierten Komintern-Kommunisten in den „Internationalen Brigaden“ Zehntausende nicht-linientreuer Kommunisten,