Hervorragend

Iron City Houserockers: „Have A Good Time (But Get Out Alive).“ Die Entdeckung des Jahres ist ein gewisser Joe Grushecky aus Pittsburgh/Pennsylvania, der den seelenvollsten Bluesrock diesseits des frühen Van Morrison zu singen versteht 1979 hatte er mit seiner sechsköpfigen Gruppe ein bemerkenswertes Debüt vorlegt („Love’s So Tough“, bei uns jetzt als Ariola-Import erhältlich). Das Meisterstück lieferten Grushecky und die Houserockers schon mit dem zweiten Album ab: Obwohl nicht als Konzept gedacht, wurde „Have A Good Time...“ eine gleichermaßen authentische wie pessimistische Milieustudie über das Leben in der amerikanischen Stahlkocher-Metropole, das Rock-’n’-Roll-Gegenstück zu Paul Schraders Film „Blue Collar“, der das proletarische Milieu ähnlich unsentimental zeichnete. (MCA Records 202 515) Franz Schüler

Hörenswert „Sämtliche Orgelwerke Arnold Schönberg – Ernst Krenek.“ Viel miteinander zu tun haben die Stücke der beiden österreichisch-amerikanischen Komponisten nicht, allenfalls die Absichtshaltung des „anders als“. Daß Schönberg auch für die Orgel schrieb, wird manchen überraschen, noch mehr allerdings wohl die Tatsache, daß er von dem Instrument und seinen Spielern beinahe Unmögliches verlangt: die Darstellung von Stimmen in Farben. Schönberg versteht darunter die präzise Einfärbung einzelner Linien im polyphonen Geflecht, also nicht ganzer Stimmblöcke wie etwa Messiaen. Daß dies erst den an Ligeti und Cage geschulten Organisten möglich wurde, ist verständlich – traditionsbewußter ist kaum eine Sparte der Musik gewesen. Kreneks Stücke geben sich zwar sehr progressiv, indem sie die jüngere Reihentechnik verwenden, Tonband-Komplexe und Violine integrieren, aber die Ausdruckskategorien sind doch geblieben. Also nichts Revolutionäres in dieser Kassette, sondern die Musik, die das 19. Jahrhundert gerade verlassen hat (Martin Haselböck, Orgel/Ernst Kovacic, Violine; Musica Viva MV 50 – 1090)

Heinz Josef Herbort

Marian McPartland: „At the Hickory House.“ Wie leichtfüßig das schwingt, wie die Töne sich federnd zu Melodien fügen, wie präzise jede kleine Verzierung angebracht wird – es macht einfach Vergnügen, diesen ernsthaft unbeschwerten Jazz aus älteren Tagen zu hören. Er wurde, wenn auch jetzt neu verbreitet, 1952 und 1953 in New York aufgenommen, zur Hälfte live in einem Lokal mit Namen Hickory House; er hat nichts von seiner Ursprünglichkeit und Frische verloren. Marian McPartland, die 1920 in England geborene, nach Amerika gegangene Swing-Pianistin tritt hier in der ihr angemessensten Besetzung auf: im Trio mit Kontrabaß (Max Wayne, Bob Carter, Vinnie Burke) und Schlagzeug (Mousie Alexander, Mel Zelnick, Joe Morello, alle untereinander wechselnd, lauter höchst sensible Musiker). Die Neuausgabe ihrer Barkonzerte wird von ihr selber kommentiert; man spürt, daß es ihr Spaß macht, sich zu erinnern, „als wäre es gestern“. (Savoy/Arista Records SJL 2248, 2 LP)

Manfred Sack

Vergnüglich