Sobald man nur lange genug in dem kleinen dunklen Raum in einem der älteren Häuser hinter dem dem Hamburger Hauptbahnhof vor der Leinwand gesessen und zugesehen hat, verfremdet sich mehr und mehr der beobachtete Vorgang. – Zwei Menschentiere, nackt, umklammern einander, mit Mund und Zunge schmecken sie Teile von sich, als würden sie nie dessen satt, bevor sie sie ineinanderschieben, wie Maschinenteile; auch der Rhythmus kommt solcher Assoziation entgegen. Dazu tönt aus einem verborgenen Lautsprecher dumpfes Stöhnen und grelles Ächzen, ob vor Begeisterung oder unstillbaren Leiden ist dem nicht zu entnehmen. Erregung geht von den bewegten Bildern aus, dann aber rücken sie in Gefühlsferne und werden unverständlich. Was diese Paare da treiben, erweist sich unerwartet als pure Kinetik, denn es trifft den Zuschauer kein Blick des Einverstehens, es wird ihm kein Wink gegeben, den Akt als einen Verweis auf Umfassenderes zu entschlüsseln, wie er es von der Betrachtung eines Kunstwerkes gewohnt ist.

Der Auftritt des Beischlafes aber im technischen Medium sonst üblicher Kunstvermittlung, im Film, und in einem von eben diesem her gewohnten Raum, beeinflußt die Anschauungsweise. Das Auge, sonnenhaft wie stets, erwartet unbewußt Ästhetik und Katharsis und erhält statt dessen nacktes Leben, das, weil völlig unvermittelt, auch völlig fremd erscheinen muß.