Annehmbar

„Jeder Kopf hat seinen Preis“ von Buzz Kulik ist der letzte Film mit Steve McQueen. Wie zu Beginn seiner Karriere, in der Westernserie „Wanted – Dead or Alive/Josh“, und wie in seinem vorletzten. Film, dem Spät-Western „Tom Horn“, spielt der an Krebs gestorbene Star auch in „The Hunter“ (Originaltitel) wieder einen Bounty-Hunter, einen Kopfgeldjäger. Diesmal nicht zu Pferd im Wilden. Westen, sondern im verbeulten Chevy in Los Angeles oder Chikago. Wie Tom Horn ist auch Ralph „Papa“ Thorsen eine reale Figur, (der echte Thorsen fungierte als technical adviser), die entsprechend präsentiert wird als „der letzte einer untergehenden Rasse“. Er liebt alte Autos und klassische Musik, sammelt antikes Spielzeug – und fürchtet sich, vor der Ehe. „The Hunter“ ist ein episodenartig angelegter Action-Thriller mit komischen Akzenten, dessen running gag darin besteht, daß „Papa“ Thorsen kein Kind haben will (doch von seiner schwangeren Freundin zu Kursen über schmerzlose Geburt geschleift wird) und einen fürchterlichen Fahrstil praktiziert (vor allem beim Parken). McQueen muß es wohl einiges Vergnügen bereitet haben, sein cooles Star-Image ein wenig zu ironisieren, doch auf den Zuschauer wirken diese Gags schon bei der zweiten Wiederholung eher ermüdend. Fürs Wachbleiben sorgen allerdings die Actionszenen, die Buzz Kulik („Der Spürhund“) mit sicherem Gespür für Spannung in Szene gesetzt hat.

Helmut W. Banz

Mäßig

„Dreist und gottesfürchtig“ von Marty Feldman ist einer jener Filme, die man schon eine halbe Stunde nach der Besichtigung vollständig vergessen hat. Irgendwie stellt der englische Fernsehkomiker, der sich leider auch für einen Regisseur hält, einen unendlich naiven Trappistenmönch dar, den sein Abt ins Sündenbabel Los Angeles schickt, wo er einer herzigen Hure und einem raffgierigen Sekten-Chef namens Armageddon T. Thunderbird begegnet. Zu lachen gibt es fast nichts in dieser plumpen „Komödie“, die auch die schwächeren Unternehmungen von Feldmans Mentor Mel Brooks nachträglich als Meisterwerke erscheinen läßt. Zu Weihnachten ist mal wieder der Kinobesucher der Dumme, denn die marktbeherrschenden amerikanischen Verleihkonzerne bieten fast nur Mediokritäten an. Auf den neuen W.oody Allen („Stardust Memories“) muß man ebenso noch ein paar Wochen warten wie auf den interessanten „Brubaker“ mit Robert Redford. Jeder verachtet halt die Leute so schamlos, wie die es sich gefallen lassen. Wer in den letzten Tagen des Jahres nach wichtigen Premieren fahndet, wer mehr vom Kino erwartet als lärmigen Schwachsinn, wird auch 1980 kaum Glück haben. Die deutschen Verleihe tragen übrigens kräftig zur Weihnachtsmisere bei. Manche bieten überhaupt keine Novitäten an, andere verwöhnen uns, mit dem jüngsten Bud-Spencer-Film oder dem „Großangriff der Zombies“. Ebenfalls frisch zur Weihnachtszeit: „Prom Night – Die Nacht des Schlächters“. Hans C. Blumenberg

Trist „Das boshafte Spiel des Doktor Fu Manchu“ von Piers Haggard. Diese konfuse Komödie über den diabolischsten aller orientalischen Erzschurken (erfunden vom britischen Krimi-Autor Sax Rohmer in vierzehn Romanen, die er zwischen 1913 und 1959 schrieb) hätte man unter normalen Umständen schnell wieder vergessen. Doch es war die letzte (Doppel-)Rolle des verstorbenen. Peter Sellers. Er spielt nicht nur (wie vor ihm Warner Oland, Boris Karloff oder Christopher Lee) den Finsterling Fu, sondern auch dessen Nemesis, den senilen Detektiv Nayland Smith. Er hat einige wundervolle Momente, doch zumeist wirkt er ausgesprochen müde. Daß der Hauptgag dieser schlappen Parodie mit Unsterblichkeit zu tun hat (bis zur Herstellung seines dringend benötigten Lebenselixiers wird Fu durch Elektroschocks in Form gehalten), wirkt zudem, noch äußerst makaber. Es ist ein etwas traurig stimmender Schwanengesang – vor allem nach den ambitionierten Absurditäten von „Being There / Willkommen, Mr. Chance“, dem vorletzten Film dieses genialen Komikers.

Helmut W. Banz