Totalen Wettbewerb streben die Amerikaner nun auch beim Verkauf von Flugscheinen an. Jedermann soll künftig Tickets frei nach Belieben feilbieten können.

Das Civil Aeronautics Board (CAB), die Aufsichtsbehörde der Verkehrsluftfahrt in den Vereinigten Staaten, sorgt wieder einmal für Schlagzeilen. Nachdem die „Deregulation Policy.“ (Freigabe der zuvor streng regulierten Routen und Flugpreise) und die Verdammung des IATA-Luftlinienkartells den Weltluftverkehr bis in die Grundfesten erschüttert und den Fluglinien Rekord-Defizite beschert haben, soll jetzt der Rest an Ordnung und Klarheit bei den Flugtarifen beseitigt werden. Mit Bestürzung reagieren die Chefs europäischer Fluggesellschaften auf die jüngsten CAB-Initiativen. Erfahrungsgemäß wirken sich die Verordnungen dieser Behörde auch außerhalb der USA aus.

Zunächst einmal stellt das CAB die überlieferte Agenturordnung in Frage. Bislang können nur Reisebüros, die nach eingehender Prüfung der Fachkenntnisse und ihres Finanzgebarens gemeinsam von Luftverkehrsgesellschaften zu IATA-Agenturen ernannt worden sind, Tickets für Linienflüge, verkaufen. Nach den Vorstellungen des CAB soll diese Beschränkung fallen, so daß künftig jeder Kiosk und jeder Supermarkt auch Flugscheine in sein Sortiment aufnehmen könnte. Reisestellen großer Unternehmen wären endlich in die Lage versetzt, Blanko-Flugscheine zu beziehen und die Reisebüro-Provision (in der Regel neun Prozent) zu sparen.

Die Fluglinien sollen künftig nur noch Nettopreise für Wiederverkäufer festsetzen und es diesen überlassen, welchen Aufschlag sie von ihrer Kundschaft nehmen – von großen Klienten weniger, vom Privatmann entsprechend dem Beratungsaufwand mehr.

Die vom CAB genehmigten Tarife möchte die Behörde fürderhin nur noch als Höchstpreise verstanden sehen. Jede Fluggesellschaft wäre imstande, nach Gutdünken Nachlässe einzuräumen und Sonderangebote zu unterbreiten. Freie Plätze an Bord der Jets könnten kurz vor dem Start für ein paar Banknoten verkauft werden.

Zur Diskussion steht in den USA ein weiterer Gesetzentwurf, demzufolge Airlines berechtigt sein sollen, regelmäßig ein bestimmtes Kontingent an Sitzen Reiseorganisationen zu überlassen. Diese „Broker“ wären bei ihren Wiederverkaufspreisen völlig frei. Das Wechselspiel von Angebot und Nachfrage mag Tagesnotierungen bringen.

Für den Verbraucher wäre damit die Transparenz der Flugtarife endgültig begraben. Heute bereits gibt es allein zwischen Los Angeles und New York nicht weniger als 213 verschiedene Tarife. Selbst Tarifexperten finden sich da kaum noch zurecht. Allerdings bietet dies pfiffigen Passagieren noch mehr Möglichkeiten, billige Flugscheine zu ergattern. Karlhans Müller