Den Rückzug ans dem Sind lassen sich die Siedler mit hohen Entschädigungen vergolden

Der Rückzug aus dem Sinai fällt den Israelis nicht nur schwer – er wird auch teuer. Sie müssen nicht nur Ersatz für die verlorenen Flughäfen und Stützpunkte schaffen, nicht nur auf die Ausbeute der während der Besetzung erschlossenen Rohstoffvorkommen und Ölquellen verzichten, sondern auch die Siedler entschädigen, die mit den Truppen den Rückzug antreten müssen.

Das israelische Kabinett hat beschlossen, den 350 Familien, die in landwirtschaftlichen Siedlungen im Sinai leben, eine Entschädigung Von insgesamt 1,1 Milliarden Schekel zu zahlen, etwas mehr als 300 Millionen Mark. Das bedeutet, daß jede evakuierte Familie durchschnittlich etwa 2,4 Millionen Schekel oder 800 000 Mark erhält.

Die Verhandlungen mit den Siedlern haben sich fast zwei Jahre lang hingezogen. Die Siedler bezichtigten Begin des Verrats; Die meisten hatten ihm in den Wahlen von 1977 ihre Stimme gegeben, weil Sie glaubten, er werde keine Gebiete zurückgeben. Aber der Verfechter „Großisraels“ kam Sadat dann weiter entgegen als alle Pazifisten oder Linken.

Begin werde seine Gewissensbisse – er hatte ursprünglich versprochen, sich später in einer der Sinai-Siedlungen zur Ruhe zu setzen – mit ansehnlichen Geldentschädigungen aus der öffentlichen Kasse beschwichtigen, prophezeiten damals Beobachter mit ängstlichem Blick auf die leeren Staatskassen. Sie hatten recht.

Bei den Verhandlungen mit der Regierung erwiesen sich die Siedler als zähe Partner, wobei ihr Zorn über den „Verrat“ Begins ihre Forderungen beflügelte: „Wir haben angenehme Arbeitsplätze und Wohnorte aufgegeben, um Pionierarbeit zu leisten, um die Einöde zum Blühen zu bringen und um das Einfallstor zum Staat zu bewachen. Von der Landesmitte sind wir in eine Sandwüste gezogen; wir haben Shangri-La geschaffen. Aber auf einmal wirft man uns vor, allein schon unsere Anwesenheit an der Grenze sei ein ,Hindernis für den Frieden’. Warum sollen Wir unsere Forderungen zurückschrauben?“

Die Argumente der Behörden, daß der Boden in Zentralisrael sehr viel teurer sei als die Ländereien, die sie umsonst im öden und entlegenen Sinai erhalten hatten, daß die gesamte Infrastruktur wie Wasser, Straßen und Stromnetz von der Regierung finanziert und sowohl die Häuser als auch die Gewächshäuser mit billigen Krediten gebaut worden seien, ließen die Siedler nicht gelten. Sie wollten auch für den Bruch eines gegebenen Versprechens entschädigt werden und forderten Beträge, die es ihnen ermöglichen sollen, vor allem Gewächshäuser für Blumen und Wintergemüse sowie Wohnhäuser in der gleichen Größe und vom gleichen Standard aufzubauen.