13. November 1823.

Ich kehrte heute abend mit Goethen vom Theater heim, als wir einen kleinen Knaben in pflaumenfarbenem Wams sahen. Die Jugend, sagte Goethe, sei doch das seidige Apfelmus auf dem ehrlichen Schwarzbrot der Möglichkeit.

9. Dezember 1823

Goethe hatte mir eine Einladung zu Tisch überbringen lassen. Als ich in sein Zimmer trat, erwähnte er sich die Hände soeben vor einem fröhlichen Feuer. Wir erörterten in einiger Ausführlichkeit die bevorstehende Mahlzeit, denn deren Vorbereitung war ihm ein Anlaß zu ernstem Nachdenken gewesen, und die zu erwartenden Ergebnisse, zu denen Kalbsbröschen nach französischer Art mit Sellerieknollen und Paprika gehörten, ließen ihn recht vergnügter Stimmung sein. Die Nahrung, sagte Goethe, sei doch der artigste Docht am güldenen Leuchter des Daseins.

11. Januar 1824

Mit Goethe allein zu Tisch. „Ich will“, sagte Goethe, „Ihnen nunmehr einige meiner Gedanken über die Musik anvertrauen, ein Gegenstand, dem ich viele Jahre lang nachgesonnen. Es wird Ihnen aufgefallen sein, daß etliche Angehörige des Tierreiches zwar eine Art von Musik hervorbringen: – zum Beispiel spricht man vom ‚Sang‘ der Vögel –, allein: kein uns bekanntes Tier wirkt an einer so zu nennenden organisierten musikalischen Darbietung mit. Dies ist einzig dem Menschen vorbehalten. Ich habe über die Grillen nachgedacht – ob wohl ihr abendlicher Mißklang in diesem Lichte zu betrachten sei, als eine Art musikalischer Darbietung, wiewohl eine von nur geringer Anmutigkeit für unsere Ohren. Ich habe auch Humboldt dazu befragt, und Humboldt erwiderte, er glaube es mitnichten, er halte es bloß für eine schlechte Angewohnheit seitens der Grillen. Die Hauptsache hieran, auf die in einem künftigen Werke des näheren einzugehen ich mich unter Umständen noch entschließen werde, ist nicht etwa, daß die Angehörigen des Tierreichs sich nicht von ganzem Herzen in dieser musikalischen Art vereinen, sondern daß der Mensch es tut, zum ewigen Trost und Ruhm seiner Seele.“

Die Musik, sagte Goethe, sei doch die gefrorene Tapioka im Kühlkasten der Geschichte.