Bonn

Eine der Schauseiten Bonns ist die ursprünglich vor den Toren der Stadt gelegene Poppelsdorfer Allee, ein Ort der Erholung für die Bürger. Es ist eine mit vier Baumreihen bestandene, etwa ein Kilometer lange Prachtpromenade, die das ehemalige Residenzschloß in der Stadtmitte und das kleine Poppelsdorfer Schloß miteinander verbindet. Eine Planungsvorlage der Bonner Stadtverwaltung und der CDU-Mehrheitsfraktion im Stadtrat sieht nun die Abholzung zunächst des ersten Drittels, dann des überwiegenden Restes der Allee vor. Grund ist ein ausgedehntes U-Bahn-Projekt mit Gesamtkosten von mindestens 120 Millionen Mark, zu dessen Rechtfertigung die Befürworter vorbringen, es liege schließlich schon seit 15 Jahren in den Schubladen und müsse nun vollendet werden. Zunächst sollen dem Ausheben der Baugrube über 50 Alleebäume zum Opfer fallen, große Kastanien, die einen erheblichen Beitrag zur Milderung des Bonner Klimas leisten.

Der eigentliche Grund für die Planung einer zweiten U-Bahn-Trasse durch Bonn aber ist die unerfreuliche Verkehrslage vor dem Hauptbahnhof, Die allerdings ist die Folge des letzten Schildbürgerstreichs der Stadt, der Verriegelung des vorher hinreichend großen Bahnhofsplatzes durch ein voluminöses Hotel- und Geschäftshaus, ein städtebauliches Unding, das trotz heftiger Proteste von Bürgern und Bürgervereinen unbekümmert verwirklicht wurde.

Jetzt soll das Problem mit einem ansonsten überflüssigen U-Bahn-Tunnel „gelöst“ werden. Weitere U-Bahn-Projekte sind schon einprogrammiert. Denn nur ein möglichst ausgedehntes Netz macht U-Bahnen letztlich rentabel. Das aber kann sich eine kleine Stadt wie Bonn eigentlich gar nicht leisten. Anderswo beginnt man, auch aus anderen Gründen, an den Vorzügen des U-Bahn-Baus zu zweifeln – in Köln wurde eine schon gebaute Röhre wieder zugeschüttet, da die Stadtväter – etwas spät – die Vorteile der Straßenbahn erkannten. Und die gibt es auch in Bonn.

Gegen das Bonner Projekt wehren sich viele Bürger und Bürgervereine, insbesondere der Heimat- und Geschichtsverein. Aufmerksam auf das Problem wurden die Bonner durch den persönlichen Einsatz einer Anwohnerin, auf deren Initiative hin mittlerweile über 7000 Unterschriften gegen die Abholzung der Bäume zusammengekommen sind. Den Protestlern erscheinen die Pläne der Stadt für eine Wiederbepflanzung ihrer Allee höchst dubios, um so mehr, als sie selbst Zweifel an deren Realisierbarkeit anmeldet, ohne allerdings daraus Konsequenzen zu ziehen. Ganz abgesehen davon würden neugepflanzte Bäume die ökologische Funktion ihrer Vorgänger erst in gut 20 Jahren erfüllen können.

Bis dahin sähe die Allee reichlich kahl aus. Eine in ihrer städtebaulichen Funktion und historischen Bedeutung den Champs Elysées in Paris vergleichbare Prachtallee aufzugeben aber kann sich Bonn nicht leisten. Georg Holländer