Hamburg

TWEN soll demnächst wieder erscheinen, von Mai an gibt es sie allmonatlich in einer Auflage von 300 000 Exemplaren. Lesen sollen die Zeitschrift junge Menschen zwischen 18 und 32 Jahren. Eine sogenannte Nullnummer (7000 Hefte) wurde jetzt verschickt und ist der Kritik freigegeben.

Die Leute, die TWEN machen, gehören selbst zu dieser Altersgruppe. Sie sind zwischen 22 und 33 Jahre alt und wollen eine Zeitschrift, „die uns angeht“, nicht eine „über die Jugend“, sondern eine, die „für die Jugend“ geschrieben wird. Das sollen nicht nur „bekannte Journalisten, Schriftsteller, Zeichner und Photographen“ tun, sondern „vor allem (noch) unbekannte“. Oberstes Gebot für TWEN-Beiträge: „Wenn es uns interessiert, wird es gedruckt.“

TWEN-Herausgeber ist der einstige konkret-Kulturredakteur Hartmut Schulze. Das Geld gab Jan-Philipp Reemtsma, Erbe der Zigaretten-Dynastie. Mit 70 Prozent ist er an TWEN beteiligt.

Zum Äußeren des twen-Heftes: Die Schrifttypen sind kaum noch gebräuchlich: eine Bauhausschrift, die sogenannte Futura, die nicht gerade zum Lesen reizt; auch das Layout erleichtert die Lektüre nicht: Es ist ausgesucht unordentlich. Art-Director Beat Nägeli hat alles getan, um keine Assoziationen an das alte, im Mai 1971 eingestellte TWEN aufkommen zu lassen, an das Blatt, das, von Willy Fleckhaus geprägt, mit seiner klaren graphischen Gestaltung, seinem kühlen, sauberen Ästhetizismus, bahnbrechend gewirkt und alle möglichen Magazine und Illustrierten beeinflußt hat. Beat Nägeli will keinen Fleckhaus-Abklatsch, er will einem neuen TWEN radikal sein eigenes Gesicht geben: unruhig, unschön, unsauber, auf liebevollste Weise lieblos.

Die Photos, lustlos im Text verteilt, reizen ebenfalls nicht, sie sich genau zu betrachten. Im Gegenteil, das Layout zerstört ihre Wirkung. Mindestens ebenso schlimm wie die Optik sind einige Texte im Blatt. Beispielsweise die peinlichplumpen Interviews, die in ihrer Machart an Bravo erinnern. Am peinlichsten ist ein Gespräch mit Andy Warhol zu einer Porträtserie berühmter Juden. Beispiel: „Hat dir die Arbeit Spaß gemacht?“ – „Ja, die Arbeit hat mir Spaß gemacht. Es war toll.“ – „Wie lange hast du dazu gebraucht?“ – „Etwa ein Jahr.“ So etwas ist nun Original -Bravo. So wird gesprochen und geschrieben in den Journalen, die wir schon haben und von denen TWEN sich doch so gern absetzen möchte.

Ein Blatt, das „für die Jugend“ und nicht nur „über die Jugend“ schreiben will und das zu den Züricher Krawallen etwas sagen will, darf nicht nur Interviews des Südwestfunks mit Züricher Jugendlichen wiedergeben. Trotz der Schlagworte wird zwar viel von der Wut, der Ohnmacht, der Verzweiflung der Jugendlichen vermittelt – nur: soviel mehr, als man in einigen der von TWEN wegen ihrer Jugendberichterstattung so geschmähten etablierten Blätter lesen konnte, findet man hier auch nicht.