Ronald Reagan hat sich entschieden: Alexander Haig soll sein Außenminister werden – ein in der Wolle gefärbter Konservativer, zugleich, ein sehr anpassungsfähiger Pragmatiker.

Haig war fünf Jahre lang Oberbefehlshaber der Nato. Zuvor diente er als Stabschef im Weißen Haus – er war der Mann, der Nixon mit letzter Loyalität („he is as guilty as hell“) durch die Watergate-Affäre hindurchzubringen suchte, am Ende freilich auch derjenige, der ihn respektvoll, doch unerbittlich aus dem Amte drängte. Vorher hätte er schon als Stellvertreter an der Seite, des Nationalen Sicherheitsberaters Henry Kissinger gestanden. Er kennt das Labyrinth der Washingtoner Bürokratie; er ist vertraut mit Europa und seinen Staatsmännern; das Kaleidoskop der Weltpolitik ist ihm nichts Neues, seit er im Alltag des Weißen Hauses mit Krisen in vielerlei Regionen zu tun hatte.

Die Ernennung „Al“ Haigs muß vom amerikanischen Senat gebilligt werden. Am Ende wird er durchkommen. Aber ohne peinliche Fragen, ohne Schrammen wird es nicht abgehen. Er trägt Mitverantwortung für das „Weihnachtsbombardement“ gegen Nordvietnam im Jahre 1972; er hat die Telephone von 21 Leuten – Journalisten, Mitglieder des eigenen Stabes, US-Diplomaten – anzapfen lassen; er hat, so lange es ging, die Watergate-Untersuchung zu behindern versucht; er war nach vielen Darstellungen der eigentliche Urheber des Generalpardons, das Präsident Ford seinem Vorgänger Nixon gewährte.

Die Reden, in denen sich Haig zu Beginn dieses Jahres zum Präsidentschaftskandidaten aufbauen wollte, ehe ihm seine Gesundheit einen Streich spielte und er sich einer Bypass-Operation am Herzen unterziehen mußte, klangen rechts, im übrigen vage. Er ist eher auf Konfrontation eingestimmt als auf die Kunst des diplomatischen Kompromisses. Er hat wenig übrig für jenen Teil der Welt, der sich der Einordnung in das Ost-West-Schema entzieht. Er ficht für eine neue Nuklearstrategie; er setzt auf Rüstung; er will sich auf Rüstungskontrollverhandlungen nicht einlassen und den Kreditverkehr und den Handel mit den Sowjets einfrieren, „solange sie das Völkerrecht verletzen“.

Haig wird Reagans Vorsatz Kraft geben, nach vier Jahren Carterscher Slalomfahrt der US-Außenpolitik wieder Konsequenz und Stetigkeit zu verleihen. Es wird freilich nicht immer eine Konsequenz und eine Stetigkeit sein; die den Europäern behagt. Th. S.