Von Wolfgang Gehramann

Die Worte, die am einleuchtendsten waren, fielen draußen vor der Tür. Als ein älterer Herr von verhaltenem Wuchs und weichendem Haupthaar vor dem düster dekorierten Festsaal des Bayerischen Hofs eines Bekannten ansichtig wurde, entbot er ihm zum Gruß sein herzliches Beileid. Das war angebracht.

Denn im Münchner Hotel war vergangenen Mittwoch Konvent der Gerupften. Zusammengerufen waren die Opfer des schlimmsten Schlamassels der Abschreibungsbranche: die Gesellschafter der Normbetrieb Prefab Constructions-Element GmbH & Co KG, einer der drei Fonds-Gesellschaften also, mit denen die jüngst verhafteten Kölner Steuerakrobaten Erlemann und Klein sowie deren Komplicen Millionen erschwindelt haben sollen.

Ebenfalls vor der Tür, gebot um vierzehn Uhr fünfzig der zur Zeit amtierende Geschäftsführer der Prefab, Rechtsanwalt Dietrich Eckardt, einem kolossal gebauten Livrierten, dem die Eingangskontrolle oblag: „Und wenn die Presse kommt, die darf hier auf keinen Fall rein.“ Das war auch angebracht.

Denn was in den folgenden sechs Stunden hinter den Türen des Festsaals zu hören war, klang nicht nur wenig einleuchtend. Es war auch durchaus nicht für die Ohren der Öffentlichkeit bestimmt. Wenn nämlich die Prefab-Versammlung überhaupt etwas deutlich machte, dann dies: daß mit gehörigem Hang zur Torheit begabt sein muß, wer sich und sein Geld gewissen Abschreibungsexperten anvertraut.

Den vor der Tür artikulierten Wünschen wird Erfüllung leider nicht zuteil. Die Anleger blieben am Ende ohne Trost. Und die Presse war doch drin.