Zum Auftakt des zweiten Kongresses der KP Kubas hat Fidel Castro seinen Landsleuten mehr Wachstum und Konsum versprochen – aber auch mehr Disziplin verlangt.

Der maximo hier verkündete für den, neuen Fünf jahresplan (1980–1985) ehrgeizige Ziele: Wirtschaftswachstum um fünf Prozent und Steigerung der Investitionen auf 15 bis 20 Prozent pro Jahr; größere Zuckerproduktion und – für die 1780 Delegierten besonders interessant – Zunahme des persönlichen. Verbrauchs um vier Prozent.

Castro verhehlte; allerdings nicht, daß dafür „bessere Organisation und striktere Disziplin“ erforderlich seien. Wegen sinkender Zuckerpreise und der allgemeinen Rezession habe Kuba die anvisierten Ziele des letzten Planes verfehlt, obwohl das Gesamtergebnis noch akzeptabel gewesen sei. Diese Schwierigkeiten auszugleichen brauche es jetzt mehr Fleiß, mehr Initiative und mehr individuelle Leistung.

Nach dem Massen-Exodus Anfang des Jahres hat die kubanische Staatsführung der Privatwirtschaft – wenn auch in kleinem Rahmen – Spielraum eingeräumt. Die damit erreichte innere Entspannung reicht freilich noch nicht aus; der allgewaltigen Bürokratie ist der Schreck noch nicht tief genug in die Knochen gefahren, um Mißstände zu bereinigen. Unter den ausreisewilligen Kubanern wächst die Ungeduld, weil sie schikaniert und verfolgt werden. Diese Entwicklung und die unveränderten Versorgungs-Engpässe haben offenbar neuen Zündstoff angehäuft.

Zwar beschwor Castro die Gefahr, die von einem Präsidenten Reagan für „Kubas Integrität und Souveränität“ ausgehe, und rief zur Einigkeit gegenüber dem Imperialismus auf. Aber von dieser Warnung – die mit einem Verhandlungsangebot an Washington verknüpft war – und den üblichen Solidaritäts-Appellen abgesehen, hielt Castro eine innenpolitische Rede. Seine Hauptsorge klang mehrfach an: Die „Hoffnung auf das große Boot“ (Castro), also die Auswanderung, ist so gewachsen, daß die Kubaner ihre Probleme nur zögernd angehen.

Das Ziel der großen Staatsreform von 1976 ist damit gefährdet: Vor vier Jahren sollte der auf die Revolution ausgerichtete Staat sich auf den sozialistischen Alltag umstellen. Dies ist organisatorisch nur halb geglückt; wichtiger ist, daß große Teile der Bevölkerung den Alltag immer noch nicht akzeptieren wollen. -bi