Gewinn steht neben Glamour, Neigung neben Pflicht – eins aber ist allen gemein; prominent sind sie, die „Manager des Jahres“.

Journalisten, wer sonst, haben sie gewählt. Fünfmal kürte die Redaktion der Wirtschaftswoche Mitte der siebziger Jahre einen Unternehmenschef zum „Manager des Jahres“, Jahr für Jahr bittet seit 1974 das in München erscheinende Industriemagazin Wirtschaftsjournalisten zur Stimmabgabe.

Zwölf Titelträger hätte es rechnerisch geben müssen, aber nur neun Manager können sich als Jahresbeste fühlen, weil 1974 und 1976 die beiden Jurys zum gleichen Votum fanden: Im Jahr der Autokrise nominierten Wirtschaftswoche und Industriemagazin Joachim Zahn, den inzwischen ausgeschiedenen Chef von der Daimler-Benz AG, der seinen Konzern ohne Schrammen durch das Branchentief manövrieren konnte; zwei Jahre später war VW-Chef Toni Schmücker Döppelsieger, weil ihm der Aufstieg des Volkswagenwerks aus der Krise zugeschrieben wurde. Mochte diese Leistung noch stark auf der Vorarbeit seines Vorgängers Rudolf Leiding beruhen – einen Hinweis, den auch Schmücker selbst nie vergißt –, so galt seine dritte Wahl 1979 durch die Juroren des Industriemagazins eindeutig seinem persönlichen Erfolg. Erfolgreich war Schmücker auch 1980: Zwar mußte VW die Produktion leicht zurückfahren, die Wolfsburger scheinen aber die richtige Antwort auf die japanische Herausforderung gefunden zu haben: Kooperation in Fernost. Schmücker brachte jedenfalls als einziger etwas mit von einer Reise europäischer Automanager nach Tokio: Einen Vertrag mit Nissan; die, Japaner wollen nach VW-Lizenzen ein Auto auflegen.

Die Mehrfach-Titelträger Zahn und Schmücker sind typisch für eine Auswahl, die nicht nur den Erfolg eines einzelnen Managers – oder seines Teams – bewertet, sondern in die auch Äußerlichkeiten wie Bekanntheitsgrad sowohl des Mannes, als auch des Unternehmens mit einfließen. Fast immer wurden nicht einfach „Manager“, sondern Symbolfiguren der deutschen Wirtschaft gekürt. Lediglich die erste Wahl durch die Wirtschaftswoche im Jahre 1973 brachte einen Pionierunternehmer auf den ersten Rang: Willy Korf, Stahlunternehmer aus Baden-Baden, hatte sich nicht nur gegen die etablierten Stahlkonzerne an der Ruhr durchgesetzt, er schien der Redaktion der Wirtschaftswoche auch würdig, erster Titelträger zu sein. Auch heute, sieben Jahre später, hat dieses Votum Bestand, auf den Namen Korf ist kein Schatten gefallen.

Keinen Zweifel gibt es auch an der unternehmerischen Leistung des zweiten „Stahlmanagers“ in der Liste; die Mannesmann AG steht unter der Leitung von Egon Overbeck, Manager des Jahres 1975 für die Wirtschaftswoche, weiterhin makellos da. Der „Stahl“ jedoch – oder vielmehr der Abschied vom Stahl – hat Overbeck im ausgelaufenen Jahr in die Schlagzeilen gebracht: Der Wandel von Mannesmann zu einem Maschinenbaukonzern sollte auch den Abschied von der Montanmitbestimmung bringen. Die politische Bedeutung dieses Schrittes hat Overbeck wohl unterschätzt – sicherlich ein Managementfehler. Das wurde ihm auch angekreidet, dennoch aber brachte er es auf Platz zwei bei der diesjährigen Wahl.

Um den anderen Preisträger des Jahres 1975, um den damals vom. Industriemagazin gekürten Robert A. Lutz, ist es inzwischen etwas still geworden. Damals hatte Lutz der angeschlagenen deutschen Tochter des Ford-Konzerns neuen Mut gegeben: Verlängerte Garantiefristen schafften wieder Vertrauen in die Marke, der Marktanteil stieg. Inzwischen gehört Ford wieder zu den größten Verlierern der Autokrise – und Lutz, in das europäische Top-Management des Automultis aufgerückt, hat es nicht verhindern können. Das Europa-Management von Ford ist darüber hinaus in die Schußlinie geraten: Arbeitnehmervertreter in Köln geben der Führung in London und nicht dem inzwischen abgelösten deutschen Ford-Boß Peter Weiher die Schuld an der Misere.

Ohne Makel ist dagegen weiterhin der Ruf des vierten Automobil-Chefs in der Liste der Manager des Jahres: Eberhard von Kuenheim, Chef der Bayerischen Motorenwerke AG (BMW), den das Industriemagazin 1978 auf Platz eins setzte. BMW ist es als einzigem großen Automobilunternehmen Europas neben Daimler-Benz gelungen, im abgelaufenen Jahr die Produktion noch einmal zu steigern. Alle anderen Wettbewerber mußten auf die abgeschwächte Nachfrage mit Produktionsdrosselungen antworten. Lediglich die japanischen Konkurrenten legten auch 1980 weiter zu. Kuenheim, inzwischen dienstältester deutscher Automanager, hat sich darüber hinaus in den letzten Jahren auch als Sprecher der Branche profilieren können.