Der Bürgerkrieg im Tschad ist zu Ende, nachdem Libyen massiv eingegriffen hat. Einer der Verlierer ist Frankreich.

Seit fünfzehn Jahren wurde der Tschad immer wieder von aufständischen Rebellengruppen unsicher gemacht. Mit Hilfe französischer Truppen gelang es mehrfach, eine Stabilisierung der Lage herbeizuführen. Doch nach der Ermordung von Präsident Tombalbaye im April 1975 nahm die regional begrenzte Rebellion die Formen eines Bürgerkrieges an, in dem sich zuletzt elf Parteien befehdeten. Trotz wiederholter Friedensschlüsse brachen immer neue bewaffnete Unruhen aus.

1971, bei einem mißglückten Staatsstreich, wurde das Interesse Libyens an seinem südlichen Nachbarn erstmals deutlich. Zwei Jahre später besetzten libysche Truppen einen Grenzstreifen im Norden, des Tschad, den sie bis heute halten.

Noch vor gut einem Jahr schien sich die Lage zu normalisieren. Die beiden starken Männer des Tschad, Hissen Habre und Gukuni Oueddei, bildeten eine gemeinsame Regierung. Doch vier Monate danach brach der Bürgerkrieg heftiger denn je aus. Oueddei setzte Habre ab und verbündete sich im Juni durch einen Verteidigungspakt mit Libyen. In der vergangenen Woche gab. Habre den Kampf auf und flüchtete nach Kamerun. Die Entscheidung fiel, nachdem 50 bis 60 libysche Panzer und mindestens 4000 libysche Soldaten auf die Hauptstadt N’Djamena vorgerückt waren und libysche Bomber vom Typ MiG Wohngebiete bombardiert hatten.

In Paris wird jetzt befürchtet, daß Ghaddafi durch seinen Erfolg im Tschad ermuntert werden könnte, auch andere Länder in seine Einflußsphäre zu bringen. Das gilt vor allem für Mali, den Niger und Zentralafrika, deren politische Systeme nicht sonderlich stabil sind. Damit muß heute schon Frankreich als einer der Verlierer in der Auseinandersetzung um Einfluß auf dem afrikanischen Kontinent gelten.

Paris hat die Lage offensichtlich lange falsch eingeschätzt. Als es im vergangenen Mai seine letzten Soldaten aus dem Tschad abzog, setzte es auf eine Beruhigung der Lage. Auch der Umfang des libyschen Engagements blieb Frankreich unklar. Zudem glaubte man, Habre könne noch länger Widerstand gegen die Invasoren leisten. Jetzt, nach dem Fall von N’Djamena, gilt die Stellung des französischen „Protektors“ in vielen afrikanischen Hauptstädten als schwer angeschlagen.

Dabei ist der Interessenkonflikt zwischen Paris und Tripolis schon geraume Zeit offensichtlich. Frankreich sah jedoch über Ghaddafis terroristische Umtriebe und expansionistische Gelüste großzügig hinweg. Das Verhältnis zwischen beiden Ländern kühlte sich im gleichen Maße ab, in dem sich Paris für Kairo erwärmte. Selbst als Ghaddafi anfing, offen gegen die französische „Gendarmenrolle“ in Afrika zu polemisieren, blieb Frankreich abwartend. Im vergangenen Februar schließlich erreichten die Beziehungen einen Tiefpunkt, als der Mob die französische Botschaft in Tripolis stürmte und zerstörte.