Von Friedrich Bittmann

Hemmapappa sagen die Schweden zum Hausmann, der sich um Haushalt und Kinder kümmert. In der Variante „ohne Kinder“ verstehe ich mich seit einiger Zeit als Hausmann – neben meinem Beruf als Hochschuldozent. Damit praktiziere ich das, was meine Frau in der Variante „mit Kindern“ in fast zwanzig Jahren unserer Ehe verkraftet hat – ebenfalls meist neben ihrer Berufstätigkeit. Sie macht jetzt eine Berufsausbildung als Krankenschwester – ihr dritter Beruf –, nachdem unsere Tochter zum Studium fortgezogen ist.

Es gibt verschiedene Punkte, an denen ich meinen „Erfahrungsbericht“ beginnen lassen könnte. Ich nehme einen ganz konkreten: Gestern wollte ich, durch eine spitze Bemerkung meiner Frau provoziert („als ich mich noch nach Feierabend um das Haus kümmern mußte, war der Garten nie so verwildert“), die Versäumnisse der vergangenen Monate in diesem Punkt wettmachen. Nachdem meine Frau das Haus-verlassen hatte, gegen sieben Uhr, stürzte ich mich in unsere „Anlagen“. Es stimmte, ich hatte es bisher nur noch nicht so deutlich gesehen: Unkraut, das sich inzwischen fast zu einer Wiese verdichtet hat, in der sich unsere Edelflora nur noch mühsam behaupten kann. In zwei Stunden wollte ich es geschafft. haben, denn eigentlich hatte ich dringend ein Literaturstudium zu bewältigen: über die Entwicklung geschlechtsrollenspezifischer Verhaltensweisen bei Jungen und Mädchen; ich habe für das kommende Wintersemester ein entsprechendes Seminar angekündigt.

Schmeckt nicht mehr

Aus den zwei Stunden ist ein ganzer Tag geworden. Sieben Stunden auf den Knien zwischen Sträuchern und Kiefern Unkraut rupfen, Böden lockern, durchharken, dabei auf winzige Ritterspornableger achten müssen: Ich war geschlaucht. Heute morgen, als der Wecker schrillte (um halb fünf, meine Frau hat Frühschicht und muß pünktlich um sechs im Krankenhaus, sein), habe ich Verfremdungsempfindungen wie Kafkas Gregor; kann mich jedenfalls kaum bewegen. Zum erstenmal stehe ich nicht zusammen mit meiner Frau auf, um ihr das Frühstück zu richten. Schlafe auch prompt wieder ein, werde allerdings gegen acht Uhr wach durch die Geräusche des Müllwagens. Ich habe vergessen den Mülleimer nach draußen zu stellen, er quillt schon über. Also raus, Hemd und Hose über und den Kübel an die Straße gesetzt. Ein Morgenmantel hätte genügt, aber ich hörte meinen Nachbarn schon zu seiner Frau sagen: Lustige Verhältnisse bei denen nebenan, sie fährt schon um halb sechs zur Arbeit, er gammelt offensichtlich den ganzen Vormittag im Haus herum, nicht mal angezogen.