Ängste einzugestehen, und sei es abgemildert durch Objektivierung und Reflexion, fällt schwer. So wie sich nackt auszuziehen, aber nicht bloß zum Baden, zum Beischlaf, zu einer ärztlichen Untersuchung, sondern für eine Selbstmusterung, bei welcher man sich seiner Gebrechen bewußt wird. Da ist die Angst, nicht mehr schreiben zu können, nie wieder: Das Trauma aller Autoren, und suchte man nach Gründen, wie es zum zeitweiligen Verlust der Fähigkeit gekommen sein mag, entdeckt man eine leibhaftige Einbuße in der Beziehung zur Umgebung – den Verlust einer spezifischen Haltung, welche von Nicht-Autoren meist negativ bewertet wird? den von Distanz.

Beteiligtsein und Distanziertheit aber bilden unauflöslich die Voraussetzung für Kreativität. Bricht die Distanz zusammen, überrumpelt einen die äußere Wirklichkeit und installiert sich als innere, so wird sie unaussprechbar, weil die Nähe alle Kraft und Fertigkeiten absorbiert, mit der man sich über sie erhob, um ihrer, überhaupt gewahr zu werden. Im Clinch mit ihr wie Jakob mit dem Engel, ringt man ums Überleben. Traden stellen nichts dar und sind nicht die Quelle, aus welcher der Fluß der Wörter entspringt, in dem sich die Welt spiegelt. Der Schwund des Abstandes bedeutet auch den Schwund von Erkenntnisfähigkeit Es bleibt Gestammel, zu dem alle Welt und jedermann ausreichend Talent besitzt.