... merken Menschen, wenn andere verliebt sind? Woran spüren sie es? Gewiß, das Pärchen auf der Parkbank oder die beiden in der Disco – denen sieht man es an. Was aber macht die Brötchenfrau oder den Wäschemann begreifen: der (dem) geht es gut?

Haben Menschen einen anderen Schritt, andere Körperhaltung, wenn sie sich an einem anderen entzündeten? Ist ihr Haar, ihre Haut, ihr Ton anders – ist ein neues flirrendes elektrisches Feld um sie? Die Kollegen im Büro, die Mitschüler, die Kommilitonen: sie wissen es, längst, bevor die Frisur sich ändert und der neue Pulli da ist, das Auto abends an der Ecke wartet.

Auf dem Postamt in Ramatuelle (bei St. Tropez) erschien kürzlich, Tag für Tag, ein junger Mann und fragte flehentlich nach seiner „poste restante“. Keine da. Bis er nach einer Woche im falschen Fach (weil die Ferienliebe seinen Namen unkorrekt geschrieben hatte) einen dicken Packen Briefe sah. Die Postbeamtin hätte sie ihm nicht geben dürfen, sein Name war Herbst und auf den Couverts stand Ernst; aber am dritten Tag gab sie sie ihm, den ganzen Stapel – sie durfte es eben doch, denn sie hatte es gespürt: dem waren die Briefe wichtiger als Brot, es war ein anderer Hunger, eher, schlimmer, schöner, F. J. R.