Steter Ärger mit Bau- und Natur denkmälen, weil Politiker nur die Last, nicht aber die Lust der Erhaltimg empfinden

Hat es nicht das Denkmalschutzjahr gegeben, neulich? War es, nicht erfolgreich? Hat es nicht vieler Leute Gefühle aufgewühlt? Ins Herz, das ist wohl sicher, ist es gegangen mit der plötzlichen Entdeckung der sichtbaren Vergangenheit, aber im Gehirn hat es offenbar nur die Oberfläche erreicht. Wie sonst sollte man sich die Niederlagen erklären, die dem Denkmalschutz, ach was: der Allgemeinheit stetig beigebracht werden?

Zur Zeit sind es drei, deren Gegenstand so prominent ist, daß sie von sich reden machen. Bei ihnen handelt es sich nicht nur um historische und ästhetische, sondern um soziale Ereignisse.

Jedes Jahr kommen Tausende von Besuchern von überallher nach Stuttgart, um das bedeutendste Baudenkmal der Stadt, eines der markantesten Zeugnisse des Neuen Bauens überhaupt zu sehen, die Weißenhofsiedlung auf dem Killesberg, das gepriesene, umstrittene, bewunderte Prachtstück der Werkbundausstellung von 1927. Jedes Jahr indessen verliert es weiter an Glanz, viel schlimmer: an Substanz, an Authentizität, denn seit Kriegsende wird daran repariert, verändert, verfälscht, und keiner der dafür Verantwortlichen schert sich einen Teufel darum. Zwar hütet es seit 1958 der Denkmalschutz, wie es die Stadt gewollt hat, aber doch nur theoretisch; denn ihn zu leisten, hindert sie ihr labiles Interesse und neuerdings ihr Geiz. So spielt sich um die Bewahrung dieser einzigartigen Häuserversammlung, zu deren Architekten Peter Behrens wie Mies van der Rohe, Gropius wie Scharoun gehören, ein unerquickliches Drama mit lächerlichen Szenen ab.

Der Bund, dem die weiße Siedlung gehört, bot sie, um Kosten und Verantwortung los zu werden, der Stadt an, zuerst für neun, dann zum Spottpreis von drei Millionen Mark. Der Oberbürgermeister, der eben darum doch einst selber gebeten hatte, will sie auf einmal nicht mehr; die Stadt, sagt er, wolle sich an den auf zehn Millionen Mark geschätzten Kosten der Erneuerung nur beteiligen (und mitten). Der Bund wiederum droht, die Siedlung an Privatleute zu verkaufen, was das todsichere Ende dieses Denkmals bedeuten würde.

Seit einem Jahr gibt es nun den rührigen, von Frei Otto in Bewegung gebrauchten Verein der „Freunde der Weißenhofsiedlung“; es gibt auch den gescheiten Vorschlag des Bundestagsabgeordneten Peter Conradi, die Siedlung einer Stiftung anzuvertrauen, für die sich längst engagierte Interessenten gemeldet haben. Während der Verein schon damit beschäftigt ist, endlich die originalen Pläne ausfindig zu machen und zusammeln, haben sich die politischen Drückeberger aufs Frühjahr vertagt.

In Hamburg verfällt seit neun Jahren, nur notdürftig zurechtgeflickt, das Schröderstift. Der Mitte des vorigen. Jahrhunderts errichtete. Gebäudekomplex stand von 1958 bis 1970 unter Denkmalschutz; doch dann löschten die Politiker die Eintragung, weil sie unbequem geworden war: Das Stift steht auf einem Terrain, das für neue Gebäude der Universität vorgesehen ist. Da das Geld für die Erweiterung fehlte, durften 120 Studenten bis auf weiteres einziehen; jetzt stehen sie vor dem Hinauswurf, weil ein alarmierendes, von ihnen heftig bezweifeltes Gutachten den gelb-roten Backsteinbau für irreparabel hält.