Der Bildband, der vielleicht schönste, der in diesem Jahr erschienen ist, heißt „van Eyck“ (Verlag Langewiesche, Königstein; 400 S. mit 300 Abb. und einer Ausfalttafel zum „Genter Altar“, 160,– DM), womit Elisabeth Dhanens, die Autorin und ehemalige Leiterin des Denkmalamts in Ostflandern, gleich klarmacht, daß sie für neue Gerechtigkeit sorgen will in Sachen der So ungleich renommierten Brüder Hubert und Jan van Eyck. Denn wenn der Familienname genannt wird, dann ist wie selbstverständlich Jan van Eyck gemeint, der jüngere der Brüder, dem dann zu den für ihn gesicherten Arbeiten (wie zum Beispiel der „Arnolfini-Hochzeit“ und der „Madonna des Kanzlers Rolin“) auch noch gleich der ganze Genter Altar zugeschlagen wird (der jedoch von Hubert entworfen und angefangen wurde). Die Brüder van Eyck: über die Lebensdaten gibt es bis heute keine Klarheit (Panofsky nahm für Hubert heute für Jan 1395/1400 als Geburtsjahr an), am so üppiger wuchsen daher Mythos und Spekulation; und gleich daneben dann das reale Märchen vom ungleichen Brüderpaar, der ältere in seiner Arbeit mehr solide beschaulich, der jüngere genialer, von Fürsten angefordert Wenn man den Text von Elisabeth Dhanens liest, dann ist man zuerst leicht ernüchtert von der etwas zähen, lebensfernen Detailkunde, die hier gegeben wird und die so seltsam kontrastiert mit diesem (hier vorzüglich reproduzierten) hochartifiziellen Werk, in dem Handwerk, Psychologie und Manier so makellos und geheimnisvoll in eins fallen. Aber gerade weil der Drang, sich im Falle van Eyck in die Kategorie des Wunders zu flüchten, so überwältigend ist, ist die Aktenkunde, die hier geboten wird, nicht nur für Kunsthistoriker wichtig, sondern nicht für reine Enthusiasten eine Stufe auf der Himmelsleiter. Petra Kipphoff