West III, Nord III, Freitag, 2. Januar, 21.00 Uhr: "Schiller-Oper – Ein vergessenes Theater in AltonaFilm von Horst Königstein

Ein Film über ein altes, halbzerstörtes Theater, das noch dasteht, vielleicht aber bald nicht mehr. Ein Film über alte Leute, die noch reden und sich erinnern können, vielleicht aber bald nicht mehr. Trotzdem ein schöner, heiterer, optimistischer Film.

Ein düsterer Winkel im düsteren Hamburg-Altona. Ein riesiges rundes Gebäude mit einer Kuppel aus Wellblech und Stahl. An den schmutzigen Wänden politische Parolen aus dem vergangenen, lange vergangenen Herbst: "Tötet Strauß!" hat einer in ungelenken Zügen hingeschmiert. Die Schiller-Oper, Weihnachten 1980.

Im Jahr 1979 hat der Hamburger Fernseh-Autor Horst Königstein das vergessene Theater in Hamburg-Altona entdeckt – und hat, in einer mühseligen Detektivarbeit, die Geschichte des Theaters rekonstruiert, Zeugen für diese Geschichte ausfindig gemacht. Eigentlich soll hier, nach den Plänen der Eigentlich de, schon seit den fünfziger Jahren eine Grünfläche sein. Doch immer noch steht da das alte Theater – und noch immer gibt es Leute, die erzählen können, wieviel Leben einst an diesem toten Ort war.

Am Anfang, Ende des vergangenen Jahrhunderts, ist das Haus ein Zirkus gewesen, für dreitausend Zuschauer. Die Hauptattraktion: "Wasserpantomimen", "mit versinkenden Städten und rauschenden versinkenden 1905 wurde aus dem Zirkus ein Schauspielhaus. Die Eröffnungsvorstellung: "Wilhelm Teil". Ein Volkstheater, wirklich: ein Haus für Vorstadt-Vergnügungen genauso wie für die Avantgarde. Kein Hamburger Theater, nichts hansestädtisch Nobles, ein Theater in Altona: "Es waren meist arme Leute, die rund um den Pferdemarkt in Passagen, Terrassen und Hinterhöfen lebten. Zirkuspublikum."

1932 wird aus dem Schiller-Theater die Schiller-Oper, Eröffnung mit "Freischütz" und "Rigoletto". Die Nazizeit, der Krieg: die Schiller-Oper wird geschlossen, zur Großgarage umgebaut.

Nachkriegsgeschichte: der alte Besitzer macht Pleite, eine Gaststätte etabliert sich, man richtet Unterkünfte für Gastarbeiter ein, die letzten ziehen erst 1979 aus. Als das Deutsche Schauspielhaus nach einem Ausweichquartier für die Zeit des Umbaus suchen muß, denkt man auch an die Schiller-Oper, doch der Plan wird verworfen.