DIE ZEIT

...und schaute aufs Meer

Die Briten haben ihre eigene Art, besiegte Gegner zu ehren. Einen vierspaltigen Nachruf ohne Gehässigkeit widmete die Times dem Manne, der Großbritannien im Zweiten Weltkrieg an den Rand des Abgrunds brachte: dem deutschen Großadmiral Karl Dönitz, der am Heiligabend als hochbetagter Pensionär nahe dem Sachsenwald gestorben war.

Rechte aus dem Osten?

Seit einigen Jahren geistert die Vermutung herum, daß "der Rechtsradikalismus in der Bundesrepublik aus der DDR Nahrung erhält".

Der Mann des Jahres: Mit der Madonna am Revers

Der Namenspatron der Danziger Werft, Wladimir Iljitsch Lenin, stützte seinen Glauben an Rußland und die kommunistische Zukunft auf die Macht der Räte und die Elektrifizierung.

Worte des Jahres

"Ich werde nicht tatenlos zusehen, wie dieses große Land sich selbst zerstört unter einer mittelmäßigen Führung, die von Krise zu Krise treibt und die Entschlossenheit und die Ziele unserer Nation zerfallen läßt.

Französische Außenpolitik: Europa soll mehr Flagge zeigen

Die französische Regierung hat zwar gerade aus Anlaß der Erhöhung, des EG-Budgets durch das Europa-Parlament wieder Bedenken gegen eine Aufwertung der europäischen Institutionen geäußert, aber in der Außenpolitik kann ihr die Gemeinschaft gar nicht aktiv genugsein.

Nachdenken über das Undenkbare: Grenzen des absoluten Krieges

Die klassische Theorie von Clausewitz definiert absoluten Sieg als Entwaffnung des Gegners; wenn der Gegner keine Waffen mehr hat, kann ich, ihm jegliche Bedingungen nach meinem Willen auferlegen, und diese Bedingungen können in der völligen Vernichtung bestehen (delenda est Carthago).

Psychoanalyse in Deutschland: Erfolge, aber keine Siege

Vielleicht ist es gut, vorweg zu sagen, was das Buch nicht, ist? Es ist nicht gefällig – dem Leser gegenüber. Daß es mit dem in Deutschland ungemein beliebten Typus der "Ärzte-Memoiren" (à la Schleich oder Sauerbruch) nichts gemein hat, versteht sich beim intellektuellen Rang seines Verfassers von selbst.

Charisma mit Stöcken

Einer kam dabei sogar elend zu Tode. Als er am 8. Januar 1687 sein Je Deum dirigierte, stieß Jean-Baptiste Lully – wohl im Zorn über die schlaffen Musikanten – den mit einer Metallspitze besetzten Dirigentenstab nicht wie üblich auf den Boden, sondern sich direkt durch den Fuß.

Alle Macht dem Maestro

Um heute einen "Dirigenten" ernsthaft zu beleidigen, genügt es, ihn einen "Kapellmeister" zu nennen. Wie denn allenfalls das Kurorchester von Bad Oeynhausen, das zum Tanz im Hotel Adlon aufspielende Ensemble oder die Blasmusik der Feuerwehr sich den Ausdruck "Kapelle" gefallen ließen.

Die Stimmung bleibt explosiv

Es kommt jetzt schon öfter mal vor, daß Werner Orlowsky seine Kunden vernachlässigt. Gerade wieder entschuldigt er sich bei einer alten Dame dafür, daß er ihr das gewünschte Hühneraugenpflaster, "das Größe zum Selberschneiden", immer noch nicht besorgt habe: "Das kommt jetzt durch die ganzen Sachen.

Pubertäre Sexphantasien: Ein ganz Eifriger

Auch in Ulm ist die Polizei stets ein treuer Freund und Helfer. Manchmal steckt sie allerdings ungefragt ihre Nase in Familienangelegenheiten, die sie nun wirklich nichts angehen.

Unersprießliche Zeiten

Ausblick auf 1981: Mehr Arbeitslose, höhere Ölpreise, sinkende Investitionen, schwächliches Wachstum

Bonner Kulisse

Es war in den letzten Tagen des Jahres 1980 in Bonn nicht anders als während der vorangegangenen elf Monate: Zum Geplanten, zum Klugen und zum Wohlformulierten gesellte sich das Befremdliche oder, wie es neuerdings gelegentlich auch genannt wird, das Beknackte.

Der Sieger kommt aus Spanien

Die Bilanz der ersten elf Monate des abgelaufenen Jahres sieht auf den ersten Blick nicht schlecht aus: Die Automobilindustrie hatte zum Beginn des Jahres mit einem Zulassungsrückgang von zehn Prozent für Personenwagen gerechnet – bisher ist es bei einem Minus von 8,5 Prozent geblieben.

Autopreise: Nippon sei Dank

Zum Jahreswechsel heißt es Abschied nehmen, Abschied von einer stillschweigenden Marktordnung. Für den deutschen Aufkäufer hat mit dem Jahr 1980 wieder der Wettbewerb begonnen – und nichts signalisiert das deutlicher als die Preissenkungen bei Opel.

Öffentlicher Dienst

mit Ihrer brieflichen Mahnung an den Kanzler und andere inkompetente Politiker, sich nicht in die Lohnverhandlungen im öffentlichen Dienst einzumischen, haben Sie manchem Staatsbürger aus dem Herzen gesprochen.

Währungspolitik: Mit fragwürdigen Tricks

Der Sündenfall geschah ganz unauffällig, er soll nur kurze Zeit währen, und er erscheint bestens legitimiert – da ist es kein Wunder, daß kaum jemand protestiert hat.

Bankpleite: Täterschutz

Eine der spektakulärsten Pleiten des Jahres 1980, nämlich der Konkurs der KKB Handelskreditbank in Frankfurt, wäre nach Ansicht der Wirtschaftsauskunftei Schimmelpfeng vermeidbar gewesen, wenn nicht der Datenschutz eine rechtzeitige Warnung verhindert hätte.

Vermögenspolitik: Wasser am Hals

Der CDU-Politiker Norbert Blüm hat anläßlich der schwierigen Lohnrunde 1981 an eines der größten Versäumnisse der siebziger Jahre erinnert.

Wo jeder Zehnte überflüssig ist

Die brauchen uns nicht mehr", sagt der Mann aus Jamaika achselzuckend, als er im Sozialamt von Wolverhampton sein Arbeitslosengeld abholt.

Schweizer Uhren ticken falsch

Orient, ein 750-Seelen-Dörfchen im Schweizer Jura, unweit der französischen Grenze im reizvollen Vallée de Joux gelegen, will nicht vom Fortschritt überrollt werden.

Textilindustrie: Strategie für Dessous

Daß er gleich zwei Berufungen nachgeht, ist gar nicht zu überhören. Wie beiläufig flieht er Begriffe wie "Operationsfeld" und "generalstabsmäßig" in seine Rede, und Wenn er Vergleiche anstellt, sucht er gern Bilder aus dem Militärischen.

Italien: Benzin teurer als Wein

Auf Flaschen abgefüllt und mit einem ordeutlichen Korken verschlossen würde italienischesBenzin jetzt soviel kosten wie eine gute "Bottiglia" Wein mit Ursprungsbezeichnung.

Die neue Europäische Kommission: Ein halbes Jahr für Gaston Thorn

Im 13. Stock des Berlaymont-Hochhauses am Brüsseler Rond-Point-Schuman haben die Handwerker das Wort. Büros werden umgeräumt, Trennwände werden herausgenommen und neu eingezogen, Teppiche neu verlegt, Schränke hin und her geschoben, Schreibtische und Akten über Flure und Treppen geschleppt.

Ohne Spannungen

Im den Börsenjahren 1979 und 1980 war der Aktienindex rückläufig. Und wenn es nach der Stimmung gehen würde, die zum Jahresschluß 1980 in den Börsensälen herrschte, hätten die Aktienbesitzer auch vom neuen Jahr kaum etwas Gutes zu erwarten.

Verbrauch entscheidet

Ott: Keineswegs, denn der Absatzrückgang um knapp zehn Millionen Tonnen beruht zu annähernd drei Vierteln darauf, daß die Bergbauunternehmen kurzfristige Zusatzexporte planmäßig zurückgenommen haben, und zu einem weiteren Viertel auf geringeren Lieferungen an die Stahlindustrie in den übrigen EG-Ländern.

ZEITRAFFER

Kurzarbeit statt Entlassungen wünscht sich Josef Stingl, Präsident der Bundesanstalt für Arbeit, von den Unternehmern für das neue Jahr und hofft damit wohl, die sich anbahnende steigende Arbeitslosigkeit zu, dämpfen.

Manager und Märkte

Die Frage lautet: Was haben der Siemens-Chef Bernhard Plettner, der Bosch-Boß Hans Lutz Merkle und der Krupp-Verweser Berthold Beitz gemeinsam? Antwort: Sie sind drei der mächtigsten deutschen Industrieführer – und sie sind alle über 65 Jahre alt.

Champagner: Nobel-Marken im Aufschwung

Wenn allüberall in der Silvesternacht fröhlich die Korken knallen, so ist das eigentlich gegen die guten Sitten. Der Champagner jedenfalls, feinster unter den feinen Schaumweinen, soll – so will es die feine Lebensart – mit jenem leisen, erotischen Plop geöffnet werden, der Kennern schon vor dem ersten Schluck das Wasser im Munde zusammenlaufen läßt.

München ist nicht Alabama

Theaterfestival in Gefahr! Was vor Wochen noch ein Notruf war, ist inzwischen ein Teil des Prologs: Das "Theater der Nationen" kann (zwei Jahre nach seinem Start in Hamburg) im Juni in Köln fortgesetzt werden.

Noch ist Mao nicht tot

Sonderbar: jedesmal, wenn ich bei meinen Vorträgen in Peking oder Nanking oder Shanghai beim Versuch, die Etappen der deutschen Literaturentwicklung seit Kriegsende nachzuzeichnen, zu den Ereignissen von 1967/68 kam, und folglich über eine "Kulturrevolution" zu sprechen hatte, gab es Heiterkeit im Auditorium.

Filmtips

"Noch ein Käfig voller Narren" von Edouard Molinaro. Es sind vor allem die hervorragenden Hauptdarsteller, die bei dieser Fortsetzung von Jean Poirets erfolgreichem (ebenfalls von Molinaro verfilmten) Schwülen-Schwank "Ein Käfig voller Narren" ein gewisses Vergnügen garantieren.

Der spöttische Blick auf das Erhabene: Besuch bei einem alten Herren

Theaterstücke will er keine mehr schreiben, sagt er, nicht etwa, weil ihn die Verrisse der letzten Jahre verbittert hätten, nein, wer das glaubt, der überschätzt die Wirkung von Kritiken auf das Selbstbewußtsein des Friedrich Dürrenmatt, der, nunmehr sechzig, sich ohne Hemmung in die Reihe der verkannten Genies stellt.

Zeitmosaik

Die letzte (und beste) Folge von Berlin Alexanderplatz: Rainer Maria Faßbiber wurde nun endgültig in die staatliche Filmförderungsanstalt eingeliefert.

Abrakadabra

Zur Zeit reist eine Theatergruppe durch die Bundesrepublik mit einem Spiel, das die drei Schauspielerinnen und vier Darsteller zusammen mit ihrem Regisseur, dem Argentinier Augusto Fernandes, in monatelanger Arbeit selber entwickelt haben.

Kritik in Kürze

"Langenscheidts Großwörterbuch Italienisch-Deutsch/Deutsch-Italienisch." Um Mißverständnisse auszuschließen: Das "neue" zweibändige Wörterbuch gibt es in einem, durchaus noch handlichen und auf wesentlich holzfreierem Papier gedruckten Band schon seit fünf Jahren in Italien zum halben Preis der hiesigen Ausgabe.

Die neue Schallplatte

Frankfurter Gitarren-Duo: "Meisterwerke" – das sind Stücke von Joaquin Rodrigo (geboren 1902) und Daniel Lesur (1908), beides Originalkompositionen für zwei Gitarren, und die für diese Besetzung übertragene Englische (Cembalo-) Suite Nr.

Kunstkalender

Werner Kunze, sonst auf die Zwanziger Jahre spezialisiert, stellt Berliner Gegenwart aus: großformatige Porträts aus dem Transvestiten-Lokal "Lützower Lampe".

Notwendiger Fortschritt

In ein paar Jahren, wenn ich klüger bin, stelle ich eine Bücherliste zusammen. Sie wird ein paar hundert Bücher enthalten, die die Kinder den Eltern unterjubeln.

Taschenbücher... Taschenbücher... Taschenbücher...

Seit den siebziger Jahren haben sie.sich endgültig durchgesetzt: Taschenbücher für Kinder und Jugendliche. Vor allem die Pädagogen hatten anfangs Bedenken gegen die patente Broschur und fürchteten den "Verlust von Lesekultur", sahen das Buch zum "Verbrauchsgegenstand" heruntergekommen.

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