Wer zwischen Januar und März im Mittelmeer auf Kreuzfahrt geht, sollte bedenken, daß es auch dort einen „Winter“ gibt. Zweifellos ist das Winterhalbjahr zwischen Italien und Tunesien schöner und wärmer als in unseren Breiten. Aber es wäre falsch, sich bei der Auswahl der Reisegarderobe an bunten Prospekten zu orientieren, die aussehen, als lache ständig die Sonne über dem Mittelmeer.

Man könnte den Gegensatz der beiden Hauptjahreszeiten des Mittelmeeres auf die einfache Formel bringen: Dem sehr warmen, regenarmen, teilweise auch regenlosen Sommer stehen milde, verhältnismäßig niederschlagreiche Winter gegenüber. Daß es aber auch im Süden von Italien ausgesprochen kalt werden kann, wurde jetzt wieder in den Schilderungen über die Rettungsmaßnahmen für die Erdbebenopfer südlich von Neapel deutlich. Im vergangenen Dezember war es in Griechenland so kalt, daß in Athen zehn Menschen an Unterkühlung gestorben sein sollen, die Flughäfen von Istanbul und Ankara waren wegen Schneestürmen „dicht“.

Ursache des wechselhaften Wetters in dieser Jahreszeit sind die überwiegend von Westen (dem Atlantik) her nach Osten wandernden Tiefdruckgebiete. Diese Zyklo- nen führen auch dazu, daß das östliche Mittelmeer bei starken bis stürmischen Winden vorübergehend recht rauh werden kann. Die aus Südrußland, Rumänien und über die Türkei hinweg wehenden kräftigen Nordwest- und Nordostwinde können für die Ägäis und andere Gebiete des östlichen Mittelmeerbeckens empfindliche Kälte und sogar Fröste mit sich bringen.

Dennoch: Man muß nicht mit Parka und Fäustlingen auf die Mittelmeerkreuzfahrt gehen. Das noch relativ warme Mittelmeer führt zu einem ausgeglichenen, milden Seeklima. So ist es auf See bei den Balearen im Januar/Februar mit Höchsttemperaturen um 20 Grad deutlich wärmer als zur gleichen Zeit in Algier oder auch auf Sardinien (15 bis 16 Grad). Und von den häufigen, durch den Mistral verursachten Stürmen im „Golfe du Lion“ vor dem Rhone-Delta ist nichts zu befürchten. In dieses Seegebiet führen keine Kreuzfahrt-Routen.

Auch die Ägäis und das Ionische Meer sind im Januar/Februar mit 21/22 Grad Lufttemperatur wärmer als zum Beispiel Athen und Izmir (15/16 Grad); in Istanbul liegen die Mittagstemperaturen sogar nur knapp über zehn Grad. Wer vor Venedig und Triest in der nördlichen Adria „kreuzt“, sollte auf Temperaturen zwischen 15 und 18 Grad gefaßt sein, erst im März wird es dort wärmer.

Die Sonnenscheindauer ist natürlich im ganzen Mittelmeer erheblich höher als bei uns, sie liegt im Januar/Februar bei vier bis fünf Stunden pro Tag und steigt dann im März in der Ägäis und weiter östlich relativ schnell auf sechs bis sieben Stunden täglich an. Dabei treten – im Gegensatz zu den Temperaturen – zwischen dem Meer und den Küsten kaum Unterschiede auf.

Dasselbe trifft – von einigen Ausnahmen abgesehen – auch auf die Niederschlagshäufigkeit zu. Selbstverständlich regnet es im Winter rund um das Mittelmeer, aber von einer ausgesprochenen Regenzeit, wie weiter südlich in Afrika, kann keine Rede sein. Besonders regenreich ist die Südküste Kleinasiens, hier fällt im ganzen Jahr mehr Regen als in Frankfurt oder Hamburg, während zwischen dem Suezkanal und Haifa besonders regenarme Küstenstriche liegen.