Was dem vormaligen Ministerpräsidenten von Baden-Württemberg sein Stauferjahr, ist dem Nachfolger Lothar Späth das Barockjahr, zu dem der Landesfürst das Jahr 1981 ausrufen ließ. Ein anderer Grund ist nicht recht auszumachen, höchstens daß das Bruchsaler Schloß, die Residenz der Bischöfe von Speyer, nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wiederaufgebaut ist.

Im Bruchsaler Schloß, dessen Treppenhaus von Balthasar Neumann „die Krone aller Treppenhäuser des Barockstils“ war (wieder ist?), wird vom 27. Juni bis zum 25. Oktober die zentrale Ausstellung „Barock in Baden-Württemberg“ ausgerichtet. Verantwortlich zeichnet das Badische Landesmuseum Karlsruhe.

Touristikfachleute erhoffen sich von dem Barockjahr im ganzen Land Impulse für den Fremdenverkehr. Anders als zum Stauferjahr werden jedoch keine bestimmten Autorouten empfohlen. Zum einen gibt es bereits die Touristenroute „Oberschwäbische Barockstraße“, die allerdings vor allem Sakralbauten berührt. Zum anderen überzieht Barockes den Südwesten in derartiger Hülle und Fülle, daß es unsinnig erscheint, Einzeltouren auszuarbeiten.

Die potentiellen Besucher Baden-Württembergs bleiben dennoch nicht ohne Geleit. Eine kunstvoll gestaltete Broschüre faßt zusammen: die geistige Landschaft, die Künstler, die Barockschlösser, die Barockkirchen, die Barockklöster, die Barockkapellen. Tenor: „Wie in wenig anderen Ländern hat hier der Barock sein glanzvolles Fest gefeiert in Residenzen und Adelssitzen, in Kirchen und Klöstern, in Bürgerhäusern und Stadttoren, auf Brücken und an Wegkreuzen. Wer hier den Barock finden will, braucht nirgends weit zu gehen. Überall hat er seine Spuren hinterlassen, von mehr gedrungeneren Formen des Frühbarock bis zum zierlichen Rokoko.“

Drei ebenso reizvoll gestaltete Prospekte über Barockreisen gliedern das Land analog zu den Fremdenverkehrslandschaften in Schwarzwald, Neckarland-Schwaben, Bodensee-Oberschwaben. Sie nennen Ziele, liefern Kurzbeschreibungen der Sehenswürdigkeiten und Adressen der jeweiligen Verkehrsämter.

Eine besondere Rolle in diesem Jahr wird Ludwigsburg mit dem größten Barockschloß Deutschlands spielen; über die Landesgrenzen hinaus ist dessen Ruhm bisher schon durch das „Blühende Barock“, eine jährlich wiederkehrende Gartenschau, durch Festspiele und Ausstellungen gedrungen. Im Jahr 1981 wird auch das Favorite-Schlößchen in der ehemaligen Fasanerie nach jahrelanger Restaurierung wieder zugänglich sein und, versteht sich, eine von mehreren Ausstellungen, nämlich über barocke Gärten, aufnehmen.

Indessen, auch die anderen Gemeinwesen mit barocken Zügen stellen ihre – um das Bild auf einen Architekturbegriff umzumünzen – Laternen (Turmaufsätze) nicht unter den Scheffel. Landauf, landab wird ausgestellt, sind Kirchenschiffe, Klosterbibliotheken, Schloßsäle, Treppenhäuser, Barockhöfe das Podium für barockes Musizieren. In Bruchsal allein finden etwa dreißig Barockmusik-Konzerte statt.