Der Pekinger Schauprozeß hat seinen politischen Zweck erfüllt. Maos Nachfolger Hua Guofeng ist von den Reformern um Deng Xiaoping ausgeschaltet worden.

Vier Jahre nach Maos Tod sind die Nachfolgekämpfe in China entschieden. Parteichef Hua Guofeng, den Mao als Erben eingesetzt hatte, ist endgültig entmachtet worden. Unklar ist nur noch, ob Hua schon auf sein Amt verzichtet hat; de facto hat Hu Yaobang, der Generalsekretär der Kommunistischen Partei, seine Funktion übernommen. Die Übergangsperiode wird mit dem Gerichtsurteil gegen Maos Witwe Jiang Ying abgeschlossen; der Staatsanwalt im Pekinger Schauprozeß hat in der vergangenen Woche das Todesurteil beantragt,

Jiang Ying hatte die Dramaturgie des Machtübergangs durcheinandergebracht. Mehrfach mußte der Prozeß unterbrochen werden, weil sie Mao persönlich für die Exzesse der Kulturrevolution verantwortlich machte. Die Entmaoisierung, die so abrupt nicht geplant war, ist durch Jiang Yings Unbeugsamkeit beschleunigt worden. In der vergangenen Woche wurde Maos Mausoleum am „Platz des Himmlischen Friedens“ geschlossen. Die Begründung: Personenkult gehöre der Vergangenheit an; Mao, der sich wie ein Halbgott verehren ließ, habe in den letzten beiden Jahrzehnten seines Lebens schwerwiegende politische Fehler begangen.

Die neue Führung wollte Mao von der Abrechnung mit der kulturrevolutionären Linken ausnehmen, da er als Symbolfigur für den chinesischen Kommunismus unersetzlich ist. Die Abwertung könnte zu einem ideologischen Vakuum führen. Die Pekinger Volkszeitung hat bereits eine „Glaubenskrise des Marxismus“ zugegeben. Vor allem in der Jugend – 650 Millionen Chinesen sind jünger als 30 Jahre –, für die Bürgerkrieg und Staatsgründung Geschichte sind, macht sich Skepsis gegenüber der kommunistischen Partei breit, die sich in Fraktionskämpfen und ideologischem Streit ergeht. G. S.