Einzelreisende sind bekanntlich die Neger des Tourismus. So ein trauriges Schicksal verschärft sich nur noch, wenn der Einzelgänger weiblichen Geschlechts ist. Einzelreisende bekommen im Hotel oft genug jene Rumpelkammern, in die beim besten Willen kein Doppelbett paßt. Im Restaurant werden sie mit Vorliebe an Katzentische im Zugluftkorridor plaziert. Bei Besichtigungstouren hat sich der einsame Interessent der nächsten Gruppe anzuschließen, mag deren Führer japanisch reden.

Einzelreisende brauchen für ihr Quantum Erholung mehr Geld und Geduld als Paare oder Gruppen, sie werden dafür gemeinhin mit dem Titel „Individualreisende“ entlohnt.

Es gibt allerdings noch nationale Reservate, wo Individualität und Gastlichkeit hoch im Kurse stehen. Dänemark ist solch ein Land, insbesondere nach der Hauptsaison. Die heimelige Gastronomie der „Kros“, seiner Landgasthöfe beispielsweise, wird zu Recht gerühmt. Und der gut 300 Jahre alte „Krogarten“ auf Fanø weiß, was er solchem Ruhm schuldig ist. Seine Gaststube ist wohlig wie ein Wohnzimmer, der Service ist vorzüglich und die Küche ist mutmaßlich ebenso schmackhaft wie die Auswahl auf der Karte reichlich.

Mutmaßlich – genauer kann ich es nicht bekunden. Ich war zwar Gast im „Gartenkrug“, aber leider ohne Begleitung. Dieser (ohnehin wenig erfreuliche) Umstand versperrte mir den Zugang zu mehr als der Hälfte aller angepriesenen Gerichte. Gewiß, der aufgeklärte Gast versteht, daß Köche manche Speisen nur für mindestens zwei Verkoster anrichten; größere Fleischstücke, etwa Lammrücken oder Chateaubriands sollten nicht in Einzelportionen zerstückelt werden.

Wenn es nur das wäre, was der Krogarten-Chef Paaren vorbehielte. Doch bei ihm sind alle besseren Sachen doppelt zu ordern. Selbst die Suppen werden meist nur auf zwei Tellern serviert, und eine Forelle kommt niemals allein. Immer wieder heißt es: „Mindestens zwei Gedecke!“ Und der Gast fühlt sich gedeckelt. K. V.