Es war natürlich nicht die schiere Nächstenliebe die jetzt den rund 1000 von der Pleite überraschten – Terrarmar-Gästen die Rückreise gesichert hat. Das Unternehmen „Solidarhilfe“ der großen Reiseveranstalter ist das Korsett einer von fragilen Kundenstimmungen abhängigen Branche. Wer einmal in der Ferne gestrandet ist, weil sein Reisebüro, seine Fluglinie oder seine Hotelgesellschaft in Konkurs gegangen ist, wird sich beim nächsten Mal überlegen, ob er sich wieder „professionellen“ Ferienmachern anvertraut oder nicht doch lieber auf eigene Faust in seinem Auto dem Urlaubsglück entgegenzieht. So ist wenigstens die sichere Rückkehr eine geschäftsnotwendige Garantie.

Und da ist ja auch noch das vielgelobte Gesetz, das den deutschen Touristen angeblich zum bestgesicherten Urlaubsreisenden der Welt macht, das Reisevertragsgesetz, das Reiseveranstalter zwingt, auch für unzureichende Leistungen seiner Vertragspartner bis hin zu deren Konkurs ge-Vertragspartner Das Gesetz verdient Beifall, ebenso wie die Solidarhilfe der Veranstalter. Beide haben sich, aller Verbesserungsmöglichkeiten zum Trotz, bewährt. Dem deutschen Pauschalurlauber kann kaum noch Übles widerfahren.

Es sei denn, sein Reiseveranstalter macht den Laden dicht. Dann ist der Urlauber der Dumme. Er kommt zwar wieder nach Hause, aber für alles andere muß er feste zahlen. Das Beispiel Terramar ist hilfreich, zeigt es doch, wo in dem vermeintlich fein gesponnenen Kundenschutznetz des Reisegewerbes ein stattliches Loch ist: Dem Kunden hilft es überhaupt nicht, daß er seine Reise bereits Wochen vor Fahrtantritt auf Heller und Pfennig bezahlt hat. Er muß Speis, Trank und Nächtigung ein zweites Mal begleichen, wenn seiner Reisefirma die Puste ausgeht.

Die naheliegende Hoffnung, das Reisebüro müsse nun für den Schaden geradestehen, hält der Rechtslage nicht stand. Die Reiseagenten, die in Deutschland jährlich immerhin sieben bis acht Millionen Pauschalreisen verkaufen, arbeiten nach dem Handelsvertreterrecht. Und damit sind sie aus dem Schneider. Vertragspartner des Urlaubers ist der Veranstalter. Wenn wie im Fall Terramar, einige Büros ihre Kunden absichern, ist das Kulanz, nicht Pflicht.

So der traurige Tatbestand. Es ist nicht einzusehen, weshalb er so bleiben sollte. In der Diskussion sind – vornehmlich zwei Möglichkeiten, die des Urlaubers Position verbessern: ein „Feuerwehr-Fonds“ des Reisebürogewerbes oder ein Zahlungsmodus für Pauschalreisen, der dem Kunden keine Vorkasse abverlangt.

Einen solchen Zahlungsmodus hat kürzlich der Rechtswissenschaftler Walter Löwe in einer (ansonsten unqualifizierten) Fernsehsendung zum Thema Reisen vorgeschlagen: ein Drittel bei Buchung, ein Drittel bei Reiseantritt, ein Drittel bei Rückkehr. Dies gebe, so Löwe, dem Urlauber die Möglichkeit, Beschwerden und Rückforderungen mit mehr Nachdruck zu vertreten. So einleuchtend dieser Vorschlag auf den ersten Blick ist, er hat den Nachteil, nicht branchengerecht zu sein. Das Reisegewerbe ist international auf dem Prinzip der Vorkasse aufgebaut, alle Transportleistungen müssen beispielsweise im voraus bezahlt werden. Doch diese Geschäftsgepflogenheit allein muß den Vorschlag ja nicht obsolet machen. Bedenkenswert ist er weiterhin.

Nützlicher wäre wohl ein „Feuerwehr-Fonds“, aus dessen Topf Urlauber für doppelt beglichene Hotelrechnungen wie im Fall Terramar entschädigt werden können. Die Verbraucher-Vereinigungen, die sich ansonsten nicht mit touristischer Sachkunde auszeichnen, fordern solchen Fonds bereits seit Jahren. Das Reisebürogewerbe winkt – ebenso lange ab. Solange es keine irgendwie gearteten Lizenzen für Reisevermittler gebe, solange jedermann in seiner Wohnküche dubiose „Reisebüros“ einrichten können, wolle man nicht in solche Haftungszwänge eintreten.