Im Oktober 1976 mietete ein Familienväter, der mit seiner Frau und der schwerbehinderten Tochter in Urlaub fahren wollte, für seine Urlaubszeit im nächsten Sommer ein Ferienhaus. Vier Wochen vor dem festgelegten Ferientermin teilte ihm der Vermieter in einem Brief mit, das Ferienhaus sei mittlerweile verkauft worden, deshalb könne er den Vertrag nicht einhalten. Da sich nach dieser kurzfristigen Absage kein anderes Quartier mehr finden ließ, verbrachte die Familie den Urlaub zu Hause.

Der Familienvater verlangte vom Vermieter später Schadensersatz für die „vertane“ Urlaubszeit. Er rechnete aus, ein Nachholen der geplanten Ferien würde ihn mehr als 5 000 Mark kosten, wenn er dafür unbezahlten Sonderurlaub nähme. Zum Verdienstausfall kämen noch die besonderen Urlaubskosten dazu, und außerdem wollte er seine Auslagen für die Besichtigung eines ungeeigneten Ersatzhauses erstattet haben. Da der Vermieter nicht zahlte, klagte der Familienvater vor Gericht. Der Schadensersatzprozeß ist kürzlich durch ein Urteil des Bundesgerichtshofes endgültig entschieden worden. Ergebnis: Der Kläger bekommt vom Vermieter Schadensersatz in Höhe von genau 2 704,80 Mark.

Dieses Urteil ist für alle, die ihre Ferien zu festen Zeiten und finanziell wie personell genau kalkulieren müssen, in mehrfacher Hinsicht interessant:

1. Der von den Gerichten schon seit einigen Jahren zugestandene Schadensersatzanspruch für „nutzlos aufgewendete Urlaubszeit“, der seit einem Jahr ins neue Reiserecht des Bürgerlichen Gesetzbuches aufgenommen ist, gilt nicht nur für Pauschalreisen, die ein Reiseveranstalter Ferienkonsumenten als Gesamtleistung anbietet, sondern auch für individuell reisende Mieter von Ferienhäusern, Wohnungen und Zimmern in Ferienhotels.

2. Bei der Berechnung der genauen Schadenshöhe müssen die Kosten für einen gleichartigen Wiederholungsurlaub zugrunde gelegt werden. Ferner ist zu berücksichtigen, daß Urlaubszeit, die zu Hause verbracht wird, nicht ganz und gar vertan ist, weil ein Arbeitnehmer seine Freizeit dann „ganz mit der Familie verbringen“ kann. In Zahlen übersetzt heißt das: Der Familienvater aus unserem Beispielsfall bekam für jeden versäumten Urlaubstag nicht die ursprünglich verlangten 375 Mark pro Tag, sondern nur 150 Mark, für zehn Tage also insgesamt 1 500 Mark.

3. Auch eine Hausfrau kann Schadensersatz für ihre nutzlos aufgewendete Urlaubszeit verlangen, obwohl sie nicht im engeren Sinne erwerbstätig ist. Da ihre „Haushaltstätigkeit gleichberechtigt neben der Erwerbstätigkeit“ ihres Mannes steht, wird auch für sie das Einkommen ihres Mannes als „Bezugsgröße“ verwendet.

4. Für die schwerbehinderte Tochter hatte der klagende Vater gar nicht erst Schadensersatz verlangt – vermutlich auf den sachkundigen Rat seines Anwaltes hin. Nach der bisherigen Rechtsprechung ist nämlich ein mißlungener Urlaub nur dann ein „Vermögensschaden“, der zum Schadensersatz verpflichtet, wenn der Geschädigte auch erwerbstätig ist. Schüler, Studenten und Rentner haben deshalb keinen Schadensersatzanspruch; ihr „Urlaubsgenuß“ ist objektiv nicht kalkulierbar.