Der Forschungshaushalt wird für die Modernisierung der Volkswirtschaft im kommenden Jahr rund 700 Millionen Mark weniger haben, als ursprünglich einmal vorgesehen war. Führt das zur Wende in der Forschungspolitik?

Ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, in dem der Volkswirtschaft auch eine technologische Krise droht – synonym dafür ist jene allenthalben zitierte japanische Herausforderung –, muß die Innovationsförderung in der Bundesrepublik heruntergefahren werden. Statt jetzt zu klotzen, kann der Staat nur noch kleckern.

Der neue Forschungsminister Andreas von Bülow läßt das nicht gelten. Er betrachtet die Kürzung seiner Haushaltsmittel vielmehr als „eine Herausforderung, die vorhandenen Mittel optimal und mit der richtigen Gewichtung einzusetzen. Der Zwang zum sparsamen Mitteleinsatz kann als Chance wahrgenommen werden, die Prioritäten auch in bezug auf laufende Projekte neu zu setzen.“ Diese Bemerkung zergeht auf der Zunge, liegt doch die Schlußfolgerung auf der Hand: Bislang waren die Mittel weder optimal noch recht gewichtet eingesetzt. Das Eingeständnis nötigt Respekt ab. Und in der Tat hat es in der Vergangenheit nicht an Mitteln gefehlt. Die Zuwachsraten beim Forschungsetat lagen stets über denen des Gesamthaushalts. Milliarden und nochmals Milliarden sind vom Staat in Forschung und Entwicklung investiert worden.

Es gab kostspielige Programme für die Datenverarbeitung, für die Erforschung der Tiefen des Meeres wie der Weiten des Alls. Auf dem Verkehrssektor werden neue Techniken entwickelt. Die Grundlagenforschung läßt nichts oder nur wenig zu wünschen übrig. Die Republik leistet sich gleich zwei neue Reaktorlinien. Über 6000 Einzelprojekte werden derzeit mit staatlichem Zuschuß gefördert, 3000 davon allein bei der Industrie. Eine stolze Bilanz? Mitnichten!

Nobelpreise sind in diesem Land rar geworden, Sie stehen im umgekehrten Verhältnis zu den staatlichen Forschungsmitteln. Offenkundig ist das Mißverhältnis zwischen dem Einsatz staatlicher Gelder für die Entwicklung der Mikroelektronik und der Anwendung dieser Technologie etwa im Automobil oder in der Unterhaltungselektronik. Das Rennen machen nun ja die Japaner, aber nicht, weil Bonn gekleckert hat. Auch nicht, weil die Technologie fehlt. Was fehlt, sind vor allem die Menschen, die in der Lage sind oder gewesen wären, die intelligente Technik rechtzeitig in intelligente Produkte und Fertigungsprozesse zu lenken.

Geld war stets vorhanden, zu viel. Das hat in der Industrie, an Hochschulen wie in den Großforschungseinrichtungen eine Anspruchsmentalität gefördert. Der Kardinalfehler liegt in der Organisation der Forschungspolitik, die den notwendigen Technologietransfer versäumt hat. Die, Ergebnisse von Forschung und Entwicklung sind? nicht oder zu wenig in die Wirtschaft hineingetragen worden. Folglich fehlen sie insbesondere bei kleinen und mittleren Unternehmen, die ansonsten am ehesten in der Lage sind, sich flexibel auf Neuerungen einzustellen.

Immer deutlicher wird, die staatliche Forschungspolitik, die sich als Motor zur Modernisierung der Volkswirtschaft verstanden wissen will, ist über weite Strecken nur l’art pour l’art. Da ist eine ganz neue Bürokratie entstanden, unzählige Ausschüsse, Gutachtergremien, Prüfungsinstanzen ersannen immer neue Formulare, deren Flut ins Grenzenlose und Unverständliche ausgeufert ist. Projekte wurden um der Projekte willen gefördert. Das Geld mußte verbraucht werden.