Von Rudolf Herlt

Ein Blitzlichtinferno taucht den Saal fünfzehn im Landgericht zu Münster in gleißende Helle. Es gilt dem ehemaligen Chef der Westdeutschen Landesbank in Düsseldorf, Ludwig Poullain, einem der führenden Bankiers der deutschen Nachkriegsgeschichte. Er hat sich als Angeklagter vor der Wirtschaftsstrafkammer des Landgerichts zu verantworten. Minutenlang läßt er lächelnd die Kanonade der Photographen und Kameramänner über sich ergehen, wirft ihnen ein Scherzwort hin und wird auch dann nicht unwillig, als sie seinen Anwalt, Wolfgang Kästner, bitten, näher an ihn heranzurücken, um neue Serien zu schießen.

Poullain wirkt aufgeräumt, das Gesicht vielleicht ein wenig röter als sonst. Als der Zeiger der Amtsuhr auf 9.15 Uhr rückt, verdunkelt, sich, die Szene mit einem Schlag. Denn nun müssen jeden Augenblick der Vorsitzende, der Richter am Landgericht Heinrich Neurath, zwei weitere Berufsrichter und zwei Schöffen erscheinen.

Doch sie erscheinen nicht. Ein Schöffe hatte sich verspätet. Poullain sieht sich im Saal um und entdeckt einen Bekannten aus früheren, besseren Zeiten. „Ich möchte mich gern mit Ihnen über den Dollar unterhalten“, ruft er ihm zu. Der rückt auf die Anklagebank hinüber, und sie reden wie in alten Zeiten. Seine Nerven lassen Poullain nicht im Stich. „Ich bin sehr Zuversichtlich“, sagt er, „ich kann jetzt alles lückenlos belegen. Angst hat man nur vor dem Ungewissen. Jetzt bin ich aber gewiß, daß alles gutgeht.“ Um 9.42 Uhr erscheint das hohe Gericht. Um zehn Uhr ist die erste Sitzung schon wieder zu Ende.

In achtzehn Minuten hat Oberstaatsanwalt Ulf Richter von der Bielefelder Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft für Wirtschaftssachen, der die Ermittlungen leitete, vorgetragen, was Poullain vorgeworfen wird: Betrug in Tateinheit mit Untreue und Bestechlichkeit. Der Oberstaatsanwalt stützt seine Anklagen auf zwei selbständige Handlungen, die sich in der dürren Sprache der Juristen ungefähr so anhören: Poullain habe als Amtsträger seine Dienstpflichten dadurch verletzt, daß er sich bereit gezeigt habe, sich bei der Ausübung des Ermessens durch Vorteile beeinflussen zu lassen; er habe außerdem seine Befugnis, über fremdes Vermögen zu verfügen, mißbraucht, seine Pflicht, fremde Vermögensinteressen wahrzunehmen, verletzt und dem, dessen Interessen er zu betreuen hatte, Nachteile zugefügt und gleichzeitig einem dritten Vermögensvorteile verschafft; dabei habe er durch Vorspiegelung falscher Tatsachen einen Irrtum erregt.

Die Kammer nimmt sich Zeit