Eigenartig

„Weavers“. Die drei Musiker, die an diesen Stücken weben, arbeiten aber auch nicht einen Augenblick lang mit Kette und Schuß. Bliebe man in der Textilien-Bilderwelt, wären die „Weber“ eher damit beschäftigt, irrwitzig abstrakte Muster in ganz zufällig geformte oder gerissene Maschen zu sticken und dabei möglichst komische Knoten zu schlingen. Sie benutzen dabei drei Hauptfarben, das sind ihre Instrumente: Posaune (Günter Christmann), Schlagwerk (Paul Lovens) und Kontrabaß (Maarten Altena); in Wirklichkeit aber sind die drei damit beschäftigt, diese Farben immerzu zu verändern, zu verfremden, wenn nicht zu entstellen. So sind die musikalischen Vorgänge, die sich beim bloßen Zuhören erkennen oder verfolgen (oder: „verstehen“) lassen, lauter kleine Klangsketche. Musikalische Strukturen, sofern es sie ausdrücklich gibt, bleiben dem Intellekt ziemlich verborgen. Manches hat erfrischenden Witz (vor allem das Stück „Raffia“), vieles läßt die Neugier rasch erlahmen: weil – Schicksal der „Free Music“ – das Auge als ein Musik wahrnehmendes Organ unbeschäftigt bleibt: „Freie Musik“ muß man entstehen sehen. (Po Torch Records/Verlag „pläne“, PTR/JWD7.) Das gilt auch für „Idylle und Katastrophen“ mit „improvisierter Musik und improvisierten Gedichten“ von dieser Art: „im ohr hat das eichhörnchen, die oben in die – wahnsinnig hohe tanne sitzt und – der fängt, befängt, der fängt sein weihnachtsnuß- und nußknacker-suite, sweet and – nußknackersweet and lovely...“ Lustig? (PTR/JWD 6) Manfred Sack

Hörenswert

Bus-Boys: „Minimum Wage Rock & Roll“. Ironie kann auch Mittel sein, mit eigenen Ängsten fertig zu werden, und ganz unbegründet sind die mal unterschwellig und dann wieder deutlich anklingenden Ängste, von denen die Songs der Bus-Boys handeln, zumal angesichts der konservativen Reagan-Regierung sicher nicht. Das schwarze Soul-Rock-Sextett aus Los Angeles posiert nicht mit „radical Chic“-Gesten wie so viele britische New-Wave-Bands, sondern singt seinen Arbeitslosen- und Ku-Klux-Clan-, seinen Underdog- und Atomkraftwerk-Blues als doppelbödige Persiflage auf den amerikanischen Fortschrittsglauben. Der schwarze Humor der Texte zielt wohl in erster Linie auf die Wohlstandsvorstellungen des aufsteigenden farbigen Mittelstands, Lobeshymnen lasen die Bus-Boys über ihr Debüt allerdings bisher vorwiegenden Amerikas weißen Rockmusik-Blättern... (Arista 801963/Ariola Import Dienst) Franz Schöler