Die Sowjetunion gibt für militärische Zwecke mehr aus als die Vereinigten Staaten. Die Nato leistet sich etwas höhere Verteidigungsausgaben als der Warschauer Pakt, doch müssen die Länder des kommunistischen Paktsystems von ihrem Bruttosozialprodukt erheblich mehr für die Rüstung abzweigen (11 Prozent) als die Mitgliedsländer der Nato (knapp 5 Prozent). Nato und Warschauer Pakt zusammen stellen den weitaus größten Teil (74,9 Prozent) dessen, was 1978 in der Welt für Waffen und Streitkräfte aufgewendet wurde.

Solche Informationen sind weder überraschend noch neu, gehören aber zum unerläßlichen Rahmenwerk eines Berichts über „Militärausgaben und Waffenhandel in der Welt zwischen 1969 und 1978“, den die amerikanische Behörde für Rüstungskontrolle und Abrüstung (ACDA) vorgelegt hat.

Ungefähr 150 Staaten erfaßt die Studie. Sie haben 1978 950 Milliarden Mark für militärische Zwecke ausgegeben. Das waren im Weltdurchschnitt 5,4 Prozent des Bruttosozialprodukts – ein Prozentsatz, der über dem der Ausgaben für Gesundheitsfürsorge (3 Prozent) und Erziehung (5,3 Prozent) geblieben ist. Da auch die Entwicklungsländer immer mehr für Rüstung ausgeben, vermittelt der Bericht eine plastische Vorstellung davon, wieviel Kapital für soziale Zwecke frei würde, gäbe es wirksame Rüstungskontrollabkommen.

Entwicklungsländer geben für militärische Zwecke um so mehr aus, je stärker sie nach politischer Unabhängigkeit oder Sicherung ihres Regimes streben. Der Anteil der Militäretats an den gesamten Regierungsausgaben betrug 1978 in Syrien 36 Prozent, in Taiwan 34 Prozent, in Israel 33 Prozent und in Südkorea 28 Prozent.

In vielen Entwicklungsländern ist inzwischen eine eigene Rüstungsproduktion mit der Herstellung komplizierter Waffensysteme (Flugzeuge, Raketen, Schützenpanzerwagen, Schiffe) angelaufen. Führend in diesem Bereich: Brasilien, Indien, Israel, Südafrika, Jugoslawien, Nord- und Südkorea.

Der Waffenmarkt wird von den Supermächten beherrscht. Der Welt größter Waffenexporteur war 1978 mit klarem Vorsprung vor den Vereinigten Staaten die Sowjetunion. Sie hat ihre Waffenverkäufe – hauptsächlich an Länder der Dritten Welt – in der ersten Hälfte der siebziger Jahre steil in die Höhe schießen lassen.

Aufschlußreich ist die Gegenüberstellung von Waffenexporten und Entwicklungshilfe für die Dritte Welt. Im Zeitraum von 1974 bis 1978 hat die Sowjetunion fast genausoviel Waffen exportiert wie Amerika (für 40 Milliarden Mark gegenüber 44 Milliarden), aber mit 5 Milliarden Mark nur ein Achtel an Entwicklungshilfe geleistet.

Ulrich Schiller (Washington)