Die englische Polizei nahm in Leeds einen 35jährigen Mann fest. Hat sie damit den als Ripper bekannten Massenmörder gefaßt?

Ob der Ripper Peter Sutcliffe heißt, können nur die Geschworenen entscheiden. Vorläufig wurde er nur dem Haftrichter vorgeführt; dabei ging es um Personalien, um den Rechtsbeistand und ob der Vorgeführte den Sinn der Anklage verstehe. Peter Sutcliffe, der mit einer Lehrerin verheiratete Lastwagenfahrer, verstand und kehrte in die Untersuchungshaft zurück. Draußen wäre er seines Lebens nicht sicher.

Sutcliffe wurde nicht in flagranti gefaßt. Damit hatten die Spezialeinheiten, die den Ripper suchten, auch nie gerechnet. Zwei junge Beamte der Sittenpolizei fiel Sutcliffs im Vergnügungsviertel von Leeds geparkter Wagen auf. Sie hatten die Nummern gestohlener Fahrzeuge und Kennzeichen im Kopf. Ein Rückruf beim Revier bestätigte: Dieser Wagen war in Mirfield entwendet worden.

So kam folgende seltsame Anklage zustande: Ermordung der Jacqueline Hill am 17. November 1980 (das 13. und letzte Opfer) und Diebstahl zweier Nummernschilder im Wert von 50 Pence. Der Diebstahl, das einzig unstreitige Delikt, erlaubt nun der Polizei, die Beweise für die Morde zusammenzustellen, die Sutcliffe ebenfalls begangen haben soll. Schon jetzt gilt als sicher, daß es nicht 13 sein werden; nach dem Mörder der zweiten Frau in der Serie wird weiterhin gesucht.

Die Jagd nach dem Ripper war zur nationalen Sache geworden, nachdem der Chef der Fahndung, George Oldfield, ein Tonband mit der hohnvollen Stimme des Täters erhalten hatte. Nach und nach verfügte die Polizei über einen Steckbrief aus Einzelheiten: Schuhgröße, Gebißform, Blutgruppe, Tatwerkzeug, Kleidung, Akzent. Daß eine der Leichen in der Nähe des Polizeipräsidiums von Bradford gefunden wurde, steigerte die Suche in einen Rachefeldzug. Dessen Strapazen rieben Oldfield auf, er trat zurück. Sein Nachfolger James Hobson holte Experten von Scotland Yard herbei.

Worin die „Ritualhandlungen“ des Täters an seinen Opfern bestanden, hat man nie enthüllt. Bekannt ist nur, daß alle Frauen verstümmelt waren. Welche Spur vom Kennzeichendieb Sutcliffe zum Massenmörder namens Ripper und zur Parallele mit dem berüchtigten Jack the Ripper führte, wird vorerst verschwiegen.

Karl-Heinz Wocker (London)