Von Hayo Matthiesen

Zum ersten Mal betritt der neue Lehrer die Klasse: Über „die gestreckten Beine“ eines . Schülers steigt er hinweg, den Lärm überhört er. Er geht an die Tafel, dreht der Klasse den Rücken zu und schreibt seinen Namen an: Leo Nips.

„Danke, das genügt“, ertönt es hinter ihm, „Sie können gehen!“ Nips wendet sich um, blickt die „siebzehn Halbwüchsigen“ an, die sich da vor ihm auf den Stühlen „lümmeln“: „Die hintere Sitzreihe geht dazu über, Skat zu spielen.“ Der Schüler, der Nips zum Gehen aufforderte, ist eine „markante Erscheinung“: „Lederjacke, Nierenschutz, das Eiserne Kreuz auf die Armtasche genäht“, überragt er den Lehrer „um Längen“.

Der Konflikt ist da. Wie wird der neue Lehrer reagieren?

Dies ist keine einmalige Schulsituation. Leo Nips meistert seine kritische Lage: Er ist ein begabter Pädagoge, ein Naturtalent. Er spricht die Sprache der Schüler; ihm fällt im entscheidenden Augenblick das richtige Wort ein – ein geborener Lehrer. Nips ist die Hauptperson des Buches von

Michael Löw: „Was den Menschen zum Lehrer macht“; Verlag Quelle & Meyer, Heidelberg; 175 S., 19,80 DM.

Löw ist ein junger Pädagoge, Jahrgang 1947, Fächer Deutsch und Sozialkunde, der seine Referendarzeit beschreibt. Das ist die zweite Phase der Lehrerausbildung. Die erste, die wissenschaftlichtheoretische, findet an einer Hochschule statt, die anschließende praktische Phase vollzieht sich an den Schulen im täglichen Unterricht und am Studienseminar, Jetzt sollen die angehenden Lehrer lernen, wie sie den auf der Universität erarbeiteten Stoff an die Schüler heranbringen, ihnen ihr Wissen vermitteln können.