Die Börse im Jahre 1981: Am Zins hängt alles

Von Kurt Wendt

Hans Matthöfer zeigt sich in diesen Tagen von einer für Finanzminister ganz ungewohnten Großzügigkeit: Wer ihm Geld leiht, kann glatt neun Prozent kassieren. Um den Kapitalmarkt zu schonen, verzichtete der Bundesfinanzminister zwar auf die traditionelle Silvester-Anleihe, auf seinen Anteil am Boom auf dem Anleihemarkt will er jedoch nicht verzichten. Eine neue Bundesanleihe steht vor der Tür.

In den wenigen Banktagen seit Jahresbeginn herrschte nämlich an den Wertpapierschaltern der Kreditinstitute Hochbetrieb. Kleinere und größere Kunden drängten sich, um jene Milliarden Mark wieder anzulegen, die ihnen am 1. Januar an Zinsen und vor allem an Tilgungsbeträgen zugeflossen sind. Der Wettbewerb um diese Gelder ist voll entbrannt.

Die Sparer sind selten so gut behandelt worden wie zu Beginn dieses Jahres. Das betrifft allerdings nicht die offiziellen Zinsen für Spareinlagen; diese sind anachronistisch niedrig. Da jedoch das deutsche Publikum zinsbewußt geworden ist, gelten Beträge auf einem normalen Sparbuch ohnehin nur noch als Liquiditätsreserve. Wer wirklich "sparen" will, findet lukrativere Möglichkeiten.

Beispielsweise bei Hans Matthöfer, der sich bemüht, möglichst viele Sparermark für die Bundeskasse einzufangen. Großanlegern bietet er hohe Zinsen für Schuldscheine, den privaten Sparern Bundesobligationen mit einer Rendite von 9,21 Prozent und Bundesschatzbriefe mit Renditen bis zu 8,03 Prozent.

Bei den Bundesschatzbriefen riskiert der Minister allerdings, daß wache Schatzbriefbesitzer ihm ihre alten Papiere zurückgeben, um mit dem Erlös neue zu erwerben, bei denen die Zinsen besser sind. Die Kreditinstitute, die an diesem Tausch mitverdienen, versäumen auch nicht, ihre Kundschaft auf diese Möglichkeit aufmerksam zu machen.