Die Arbeitnehmervertreter fürchten weitere fünf Verlustjahre

Von Gunhild Freese

Der Konflikt kündigte sich an, noch bevor der Konfliktstoff überhaupt bekannt Wirde: Einige Stunden bevor die Geschäftsleitung der Hertie Warenhaus- und Kaufhaus GmbH dem Aufsichtsrat ihren Sanierungsplan "Unternehmenskonzept 80" (UK 80) vorlegte, teilte die DGB-Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) bereits der Öffentlichkeit mit, was sie davon hielt: "Schöne Bescherung für die Mitarbeiter." Und zugleich offenbarten die Gewerkschafter die härteste, wenn auch im Endeffekt nicht weitreichendste Sanierungsmaßnahme die Schließung von vier Häusern.

Auf Krach ist auch der Aufsichtsrat des Handelsriesen programmiert. Denn die Arbeitnehmervertreter des Hertie-Aufsichtsgremiums nahmen den Rettungsplan lediglich zur Kenntnis, ihren Beifall fanden die vorgeschlagenen Maßnahmen nicht. Auch der Gesamtbetriebsrat hatte sich die Zustimmung nicht abringen können.

Kommende Woche geht der Streit erst richtig los, denn dann beginnen die Gespräche zwischen Geschäftsleitung und Betriebsräten der vier betrogenen Hertie-Filialen. Dabei sollen nach Vorstellungen der beiden Gewerkschaften HBV und Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG) die Sozialpläne nicht am Anfang der Verhandlungen stehen, denn die Gewerkschaftsvertreter glauben noch an eine Möglichkeit, jedenfalls zwei der vier verlustbringenden Konzern-Ableger wirtschaftlich weiterführen zu können.

In einem Punkt allerdings besteht bislang Einigkeit zwischen Gewerkschaften und Unternehmensleitung: Eine neue Unternehmenskonzeption wird für erforderlich gehalten. Seit 1971 nämlich schreibt der Konzern, der mit den Hertie-Häusern, dem Hamburger Alsterhaus, dem Berliner KaDeWe, Wertheim-Häusern und der Billigkette Bilka über insgesamt 115 Warenhäuser mit zusammen knapp 887 000 Quadratmeter Verkaufsfläche verfügt, rote Zahlen – kumuliert immerhin 200 Millionen Mark. Dabei hatten schon bilanzielle Maßnahmen geholfen, das Rot nicht allzu dunkel erscheinen zu lassen.

Mit dem neuen Konzept nun, kommentierte das Düsseldorfer Handelsblatt, soll "statt der Beteiligungsverhältnisse das Tagesgeschäft optimiert werden". In den vergangenen fünf Jahren habe das Management zum Ausgleich der Verluste vornehmlich ein Mittel benutzt: "die Verschiebung von Substanz oder Reserven zwischen Müttern und Töchtern der verschiedenen Stufen",