Unser "Zeitschriftenkiosk", vor allem gedacht als Information für Leser, als gelegentlicher Hinweis auch auf entlegene Blätter, hat mit der jüngsten Folge (ZEIT Nr. 52 vom 19. Dezember 1980) einen neuen Nutzeffekt gezeitigt: Er trägt zur Übersichtlichkeit des Publikationsmarktes bei, fördert Dubletten zutage und klärt Raumfragen. Der Nr. 1 der Zeitschrift das heft hatten wir Institutsjargon nachgesagt, wegen des Floskeldickichts, mit dem sich das Blatt einführte und wegen der Auskunft: "Redaktionssitz: Universität Köln, Institut für Deutsche Sprache und Literatur."

Nun aber hat der Direktor dieses Instituts, Professor Karl Otto Conrady, die "Angaben im Impressum" für "irreführend" erklärt und in jenem Deutsch, mit dem man reinen Tisch macht, hinzugefügt: "Tatsache ist, daß die Leitung des Instituts für Deutsche Sprache und Literatur der Universität zu Köln mit der genannten Zeitschrift nichts zu tun hat und für deren Gestaltung in keiner Weise verantwortlich ist." Und der Herausgeber der Zeitschrift, Karl Helmut Karst, hat zugleich eingeräumt, er habe diese Redaktionsadresse nur genannt, weil in den Räumen des Instituts meist einer der Mitarbeiter der Zeitschrift zu finden sei, die ihren Sitz in der Kölner Marienstraße 3 hat.

Aber das Blatt, das seinen Redaktionssitz dort behauptet, wo es ihn nicht hat, trägt immerhin einen Titel, den es schon gibt, und zwar seit vier Jahren. Das in Schaffhausen erscheinende HEFT (einst von Ludwig Hang in der ZEIT vorgestellt) hat sich energisch zu Wort gemeldet und den Namen für sich und für seine Bemühungen um eine "phykosylomanische Literatur" reklamiert.

Der geheimnisvolle Begriff ist nicht nur Chiffre, sondern auch Programm. Er braut die Wörter "Phykologie" (Algenkunde), "syllabisch" (Silbenweise), "Sylphiden" und die landläufige "Manie" zusammen, kurz, er bezeichnet die Lust und die Kunst mit Worten nicht nur zu spielen, sondern sie wuchern und wildern zu lassen. Das HEFT gibt sich als Sprach- und Augenweide, als ein Fest der Assoziationen, als ein Tummelplatz für Lettern. "Jeder Buchstabe ist ein Lamm, das sich kämmen läßt", heißt es in der Ankündigung für HEFT V. Und das HEFT VI, Ende letzten Jahres erschienen, unternimmt den Versuch, die Algenterritorien der Sprache zu ergründen oder zu erweitern. Dabei leisten dem Mitherausgeber Martin Schweizer vor allem Wiener Sprachfexe wie Friederike Mayröcker, Gerhard Jaschke, Bodo Hell und Oskar Pastior Gesellschaft.

Ein Vorschlag: Die Kölner Schreiber sollten die Kreise, Kürzel, Klar- und Klirrtexte vom HEFT nicht stören. Sie sollten sich an ihr Motto halten: "Bekanntes bedarf nicht der Paraphrase, sondern der Revision", und sie sollten die Chance nutzen "das heft 1" als Nullnummer anzusehen, sich einen neuen Titel, einen neuen Redaktionssitz und ein weniger angestrengt formuliertes Ziel zu suchen als das, "ein handhabbares Medium für künstlerische und wissenschaftliche Aktivitäten zu erstellen". Dazu eine Aufmunterung aus dem originalen HEFT (aus einem Gedicht von Bernd Seydel): "Aber grat diess/ist:/stark/willt/Wortwux." Dieter Hildebrandt