DIE ZEIT

Streit zur Unzeit

Der neue Bonner Streit um die DDR-Staatsbürgerschaft ist unnötig wie ein Kropf. Wo es dabei um die Tatsachen geht, zielt er an der Realität vorbei; wo es sich aber um neue Lösungen dreht, ignoriert er die derzeitigen Möglichkeiten.

Liberaler Aufbruch

Das Dreikönigstreffen der baden-württembergischen FDP und ihr Bundesvorsitzender Genscher haben, so scheint es, an den Tag gebracht, was bisher allen Beobachtern entgangen ist: Wir befinden uns gegenwärtig in der Bundesrepublik in einem "Aufbruch", einem unaufhaltsamen gar.

Mars und Waage

Man würde der Art, wie Frau Thatcher die Gewichte der englischen Politik verteilt, kaum entnehmen, daß sie im Sternbild der Waage geboren wurde.

Steht Bonn schon bald allein?

Der Satz klingt harmlos, wie eine Binsenwahrheit; "Jede Änderung im Klima des Ost-West-Konflikts beeinflußt die außenpolitische Stellung der Bundesrepublik sofort und tiefgreifend.

Griechenlands EG-Beitritt: In Europa mit goldenen Löffeln essen?

Für Regierungschef George Rallis "geht die viele tausend Jahre dauernde Isolierung der griechischen Nation zu Ende". Der humanistische Gelehrte und ehemalige Präsident der Republik, Konstantin Tsatsos, zeigt sich beglückt über die "Integration Europas in die Wiege des Mittelmeeres" und über den Ausbruch aus "der Einsamkeit, die wir Griechen mit den Juden gemeinsam haben".

Worte der Woche

"Es ist auch gegenwärtig kein Grund, von Blut, Schweiß und Tränen zu reden, es ist kein Grund zur Schwarzmalerei, aber wir müssen einsehen: 1981 wird kein Jahr, in dem größere materielle Ansprüche verwirklicht werden können.

Zeitspiegel

Einen Ausweg aus ihrer verzweifelten Lage erhoffen sich Behörden und Bevölkerung in Polen von neuentdeckten Ölreserven. Schon in den Wochen vor Weihnachten waren brennende Ölquellen in der Nähe von Köslin von den Massenmedien und selbst von Politikern als ein gutes Omen gefeiert worden.

Wolfgang Ebert: Nationaler Kitt

In diesen 13 Monaten, nein Wochen, kannten wir Deutschen keine Parteien mehr, gab es keine Klassen mehr, wurden wir allmählich ein einig Volk von Brüdern (und Schwestern), und sind uns menschlich so weit nähergekommen, daß man fast von einer Wiedervereinigung der ganzen Deutschen Nation sprechen kann.

Giscard setzt auf die Krise

Auf der politischen Bühne Frankreichs ist das neue Jahr im Stil einer Schmierenkomödie angelaufen – obwohl der Fünften Republik eigentlich eine ungewöhnliche Premiere bevorsteht.

Berlin: Stobbe in Zugzwang

Der affärengeplagte Berliner Regierende Bürgermeister ist in Zugzwang geraten. Der Bürgschaftsskandal um den Architekten Dietrich Garski, die peinlichen Untersuchungen einer Baulandbeschaffung für den Senatsdirektor im Bausenat, Lekutat, die Straßenschlachten zwischen Polizei und Hausbesetzern, eine total gescheiterte Wohnungspolitik, schließlich ein unter geradezu absurden Umständen entsprungener Schwerverbrecher – das war zuviel für Dietrich Stobbe, der eigentlich in der Mitte der Legislaturperiode, im kommenden Frühjahr, seinen Senat in aller Ruhe uniformieren und kräftigen wollte.

Senegal: Rücktritt nach Maß

Auch am Ende seiner politischen Karriere verhielt sich Leopold Sedar Senghor stilvoll. Ohne großen Staatsakt trat der 74 Jahre alte senegalesische Präsident und Poet in der vergangenen Woche zurück.

Eine Billion Mark für Waffen

Die Sowjetunion gibt für militärische Zwecke mehr aus als die Vereinigten Staaten. Die Nato leistet sich etwas höhere Verteidigungsausgaben als der Warschauer Pakt, doch müssen die Länder des kommunistischen Paktsystems von ihrem Bruttosozialprodukt erheblich mehr für die Rüstung abzweigen (11 Prozent) als die Mitgliedsländer der Nato (knapp 5 Prozent).

England: Ist der "Ripper" gefaßt?

Ob der Ripper Peter Sutcliffe heißt, können nur die Geschworenen entscheiden. Vorläufig wurde er nur dem Haftrichter vorgeführt; dabei ging es um Personalien, um den Rechtsbeistand und ob der Vorgeführte den Sinn der Anklage verstehe.

China: Ende des Machtkampfs

Vier Jahre nach Maos Tod sind die Nachfolgekämpfe in China entschieden. Parteichef Hua Guofeng, den Mao als Erben eingesetzt hatte, ist endgültig entmachtet worden.

Italien: Absurde Forderungen der Terroristen

Während neue Terroranschläge Italien in Atem halten, haben weder moralisch-politische Bedenken noch die Verhaftung zweier Redakteure das italienische Nachrichtenmagazin L’Espresso davon abhalten können, ein Interview mit den "Roten Brigaden" zu veröffentlichen.

Tote Zeit für Journalisten

Von den Schein-Ereignissen abgesehen, ist Bonn zum Jahresbeginn noch angenehm still. Aber natürlich müssen die Korrespondenten, auch die aus dem Ausland, das Beste daraus machen.

Null-Diät zum Null-Tarif

Für den menschlichen Organismus ist Fettsucht ein Bilanzproblem. Just so sahen es auch die Krankenkassen hierzulande, wenngleich unter ökonomischen Vorzeichen.

Gefahr im Fett: HDL und Herzinfarkt

Essen Sie so viel Sie wollen von allem, was Sie nicht mögen." Der gute Tip des britischen Schauspielers Alec Guiness klingt wie das Ergebnis der zwanzig Jahre alten Diskussion um den Zusammenhang zwischen Ernährung und Arteriosklerose, der mit Abstand führenden Todesursache in den industrialisierten Ländern.

Ökumene der Historiker

Gibt es einen Minimalkonsens zwischen der liberalen und der kommunistischen Geschichtswissenschaft?

Fetisch Gerechtigkeit

Die Familienpolitik gehört nicht gerade zu den Bereichen, wo die Bundesregierung allzuviel vorzuweisen hat – weder finanziell noch konzeptionell.

Gebrannte Kinder...

Hans Matthöfer zeigt sich in diesen Tagen von einer für Finanzminister ganz ungewohnten Großzügigkeit: Wer ihm Geld leiht, kann glatt neun Prozent kassieren.

Leistungsbilanz: Bleib zu Haus...

Es hat zwar einige Zeit gedauert, aber langsam spricht es sich herum: Auf die Dauer können wir uns Defizite in der Zahlungsbilanz von weit über zwanzig Milliarden Mark jährlich nicht leisten.

Bonner Kulisse

Wilfried Penner, neuer Parlamentarischer Staatssekretär im Verteidigungsministerium, nahm sich eines Bonner Dauerthemas an, der Lobbyistentätigkeit hoher Beamter und Militärs.

Behinderte: Lieber zahlen

Zu den vielen Regelungen der sozialen Sicherheit in unserem Land gehört auch die, daß jeder Betrieb mit mehr als 15 Arbeitnehmern sechs Prozent seiner Arbeitsplätze an Schwerbehinderte vergeben muß.

EG-Haushalt: In schlechter Gesellschaft

Schöne Demokraten sind das. Da beschlossen die Regierungschefs der Europäischen Gemeinschaft vor nunmehr sechs Jahren, das Europaparlament aus allgemeinen, direkten Wahlen hervorgehen zu lassen, und haben dabei offenbar geglaubt, die europäische Volksvertretung werde sich damit abfinden, dem Europa der Bauern und Bürokraten als demokratisches Feigenblatt zu dienen.

Tarif runde: Nachbessern

Daß die bevorstehende Tarifrunde – wie Sparkassenpräsident Helmut Geiger jüngst formulierte – "mit großem Getöse" über die Bühne gehen wird, wissen gleichermaßen Zuschauer wie Akteure des Spektakels.

Forschungspolitik: Die Hoffnung begraben

Der Forschungshaushalt wird für die Modernisierung der Volkswirtschaft im kommenden Jahr rund 700 Millionen Mark weniger haben, als ursprünglich einmal vorgesehen war.

Kursbarometer: Kaum Lichtblicke

In den letzten drei Monaten des abgelaufenen Jahres gab es bei den Aktien größere Schwankungen als die Veränderung des Aktienindex ahnen läßt.

Kein Glück mit der Adoptivtochter

Der Aktionärsvertreter Drexel hatte den Nagel auf den Kopf getroffen: "Das Freischwimmen aus der Verlustzone", so hatte er im August vergangenen Jahres während der Hauptversammlung Aufsichtsrat und Vorstand der Neckermann AG zugerufen, "will nicht klappen.

Hertie-Sanierung: Gewerkschaften rechnen nach

Der Konflikt kündigte sich an, noch bevor der Konfliktstoff überhaupt bekannt Wirde: Einige Stunden bevor die Geschäftsleitung der Hertie Warenhaus- und Kaufhaus GmbH dem Aufsichtsrat ihren Sanierungsplan "Unternehmenskonzept 80" (UK 80) vorlegte, teilte die DGB-Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen (HBV) bereits der Öffentlichkeit mit, was sie davon hielt: "Schöne Bescherung für die Mitarbeiter.

Poullain-Prozeß: Die Million, die kein Glück brachte

Ein Blitzlichtinferno taucht den Saal fünfzehn im Landgericht zu Münster in gleißende Helle. Es gilt dem ehemaligen Chef der Westdeutschen Landesbank in Düsseldorf, Ludwig Poullain, einem der führenden Bankiers der deutschen Nachkriegsgeschichte.

Der Garski-Skandal: Im Wüstensand versickert

Berlins Parlamentarier, sollen sich vorzeitig, hinter ihre Pulte im Abgeordnetenhaus klemmen. Die Berliner CDU hat angeregt, daß die erste Parlamentssitzung im neuen Jahr schon am 15.

Ersatz ist teuer

Krämer: Annähernd ein Viertel der längerfristigen Importkohlelieferungen für unsere Küstenkraftwerke an Ost- und Nordsee sind durch Verträge mit dem polnischen Bergbaurevier gedeckt.

Sehnsucht nach dem Mondscheintarif

Postminister Kurt Gscheidle steht Ärger ins Haus. Bayerns Wirtschaftsminister Anton Jaumann verlangt eine Neuauflage des im vergangenen Jahr abgeschafften billigen Telephon-Nachttarifs II –Mondscheintarif genannt Und viele Postkunden sind verärgert, weil die Abschaffung des Mondscheintarifs offenbar nicht den von der Post gewünschten Effekt hatte – eine Entzerrung der blockierten Leitungen in den Spitzenzeiten.

Manager-Wechsel:

Der Normalfall ist langweilig wie alles Normale: Manager und Unternehmer vernebeln das Schlachtfeld mit geschraubten Formulierungen, die ergrauten Diplomaten zur Ehre gereichen würden.

Zeitraffer

Bis zur nächsten Ölpreisrunde liegen erst einmal die neuen Preise auf dem Tisch: Mit 41 Dollar je Barrel (159 Liter) Rohöl verlangt der Wüstenstaat Libyen den bisher höchsten Preis für den kostbaren Stoff.

Auf der Suche nach besseren Anwälten

Vor zehn Jahren, auf dem 48. Deutschen Juristentag in Mainz, der sich unter anderem mit der Reform der juristischen Ausbildung beschäftigte, hatte ein Richter gesagt: "Ich bin ein Jurist, deshalb interessiert mich nur die Norm und nicht die soziale Wirklichkeit.

Süd-Nord-Dialog in der Kunst

Eine erweiterte Sicht ist das Ziel der Ausstellung "Realismus zwischen Revolution und Reaktion, 1919–1939", die bis zum 20. April im Centre Pompidou zu sehen sein wird.

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