Sprachforschung

Von Manfred Krifka

Wie nennt man Bipolarkoordinaten auf Swahili? Majira nguzombili, wörtlich „zweistützige Achsen“. Und was heißt „Instinkt“? Das wird übersetzt mit ufahamishio, „das Verständlichmachende“, das „Instruierende“. Für den mathematischen Begriff der Variable hat man das Wort kigeugeu, „Wechselding“, geprägt. Und ein Elektronenmikroskop heißt darubini ya umeme, „Blitzschauglas“, wobei zu beachten ist, daß darubini sowohl ein Fernrohr als auch ein Mikroskop bezeichnen kann.

Dies sind Übersetzungen, die das Taasisi ya uchunguzi via Kiswahili, das Institut für Swahili-Forschung, vorgeschlagen hat. Das Institut, der Universität von Daressalaam angegliedert, ist kürzlich in ein neues, großzügiges Gebäude innerhalb des modernen Campus der bisher einzigen Universität Tansanias eingezogen. 1970 hatte es nicht mehr als acht Mitarbeiter, heute sind es 43. Die meisten sind jung, erst zwanzig von ihnen haben akademische Titel. Aber worauf Professor Khamisi, Leiter des Instituts, besonders stolz ist: Fast alle sind Tansanier. Das Institut ist als die personell und finanziell am besten ausgestattete Organisation, die sich dem Studium einer schwarzafrikanischen Sprache widmet, bekannt. Khamisi meint trotzdem, daß die gegenwärtige Kapazität für seine zukünftigen Aufgaben nicht ausreichen wird. Gerade in der letzten Zeit sind seine Vorhaben durch die äußerst prekäre finanzielle Situation Tansanias gefährdet.

Die reiche Ausstattung spiegelt das Interesse des Staates an der Erforschung und dem Ausbau des Swahili zu einem modernen Kommunikationsmedium wider. Seit 1961, seit der Unabhängigkeit also, ist Swahili Nationalsprache. Seit 1967 wird versucht, die Kolonialsprache Englisch auf möglichst vielen Gebieten durch das Swahili zu ersetzen.

Staaten, die eine afrikanische Sprachpolitik verfechten, unter ihnen vor allem Tansania, wollen freilich ihre ehemalige Kolonialsprache keineswegs ganz abschaffen. Sie weigern sich jedoch, den Unterricht von Anfang an in der Fremdsprache zu halten; dies richte nur unnötige Hürden für die Schüler auf und entfremde sie der afrikanischen Tradition. Heute wird folglich nur auf der Universität und teilweise in der Sekundärschule in Englisch unterrichtet. Dies ist Teil einer Umorientierung des gesamten Erziehungswesens: Nicht die Heranbildung einer europäisch sprechenden, europäisch, denkenden Elite soll das Ziel sein, sondern vielmehr eine Erziehung zur Eigenständigkeit, eine Erziehung, die auf das Leben in Afrika so gut wie möglich vorbereitet.