Mit vierzig Jahren hatte er viel erreicht: Rolf-Dieter Leister war bis vor wenigen Tagen einer der Geschäftsführer der IBM Deutschland und hatte gute Chancen, schon bald Walter A. Bösenberg als obersten Boß der größten Tochtergesellschaft des größten Computerkonzerns der Welt abzulösen. Eine steile Karriere und eine schöne Zukunft für einen Mann, der vor siebzehneinhalb Jahren in der IBM-Geschäftsstelle Berlin als Assistent für den kaufmännischen Außendienst angefangen hatte – aber Leister gab das alles auf: Seit dem 1. Januar ist er sein eigener Herr, mit einem „Beratungsinstitut für Informations- und Kommunikationstechnik“ in Stuttgart und mit einem Beratervertrag für den angeschlagenen AEG-Konzern in der Tasche.

Der Schritt überrascht. Warum geht ein Mann, der in seinem Amt erfolgreich war, obwohl eine Beförderung ins Haus steht? Warum läßt sich ein Manager von AEG-Chef Heinz Dürr abwerben, ohne dann zumindest auf einem Vorstandssessel Platz nehmen zu können?

Schon bei der Antwort auf die erste Frage tut sich Rolf-Dieter Leister schwer. Denn der ausgeschiedene IBM-Manager möchte alles vermeiden, was auch nur den geringsten Schatten auf seinen früheren Arbeitgeber werfen könnte: „Mit vollem Herzen und unveränderter Wertschätzung“ stehe er nach wie vor der IBM gegenüber; er nehme Abschied „wie ein Sohn von seinem Vater; von einem Vater, den er achtet und liebt“.

Was Leister nicht sagt: Seine Karriere bei IBM war steil – wäre aber wohl bald zu Ende gewesen. Denn die höchsten Entscheidungsgremien des amerikanischen Konzerns sind für einen Manager mit deutschem Paß unerreichbar. Bei IBM bleiben hieße deshalb auch, sich mit nur einem Teil der Macht zufriedenzugeben.

Wohl deshalb haben auch schon in der Vergangenheit mehrfach erfolgreiche Manager dem Computerkonzern den Rücken gekehrt. Wohl deshalb auch ging vor Jahren einer der Vorgänger Leisters, Manfred P. Wahl, der bei IBM ebenfalls den – größten – Geschäftsbereich Datenverarbeitung führte und der heute – Chef der Dürr-Unternehmensgruppe als Nachfolger des vor einem Jahr zur AEG gewechselten Heinz Dürr ist.

Über die Wahl ist der Kontakt Leisters zu Dürr allerdings nicht zustande gekommen, das versichern alle Beteiligten. Leister hatte vielmehr schon seit Jahren Dürrs Auftritte als Vorsitzender des Verbandes der Metallindustrie Baden-Württemberg verfolgt. Wie der Familienunternehmer sieht auch der IBM-Manager im Unternehmen „eine gesellschaftspolitische Veranstaltung“. Allerdings könne ein Unternehmer nur seine Aufgaben in einem Staatswesen erfüllen, wenn er erfolgreich ist, deshalb bleibt für Laster „das absolut Wichtigste der Profit“.