Der Normalfall ist langweilig wie alles Normale: Manager und Unternehmer vernebeln das Schlachtfeld mit geschraubten Formulierungen, die ergrauten Diplomaten zur Ehre gereichen würden. Kein Wort von Erfolglosigkeit, von Animositäten, von hitzigen Aufsichtsratssitzungen. Statt dessen das oft bemühte, meist nicht mehr vorhandene gegenseitige Einvernehmen oder fadenscheinige persönliche und gesundheitliche Gründe. Und damit bloß nicht die Wahrheit über den Rausschmiß des Managers oder dessen vielleicht zornbebende Kündigung an die neugierige Öffentlichkeit gelangt, wird die offizielle Begründung für den vorzeitigen Abschied in die Trennungsvereinbarung aufgenommen, die dem Manager mit einem goldenen Knebel das Maul stopft. Sagt er nach – seiner Entlassung oder, seinem tatsächlich freiwilligen Ausstieg die Wahrheit, riskiert er die meist sechsstellige Abfindung.

Um so erstaunlicher ist es, wenn die Beteiligten keinen Hehl aus ihren Meinungsverschiedenheiten machen, die zur Trennung geführt haben. So sorgte 1980 der vorzeitige Abschied von Jürgen Götzelmann, seit 1977 Chef der deutschen Dependance des größten Photokopierherstellers Rank Xerox, für einigen Aufruhr in der Branche. Götzelmann machte aus seinem Herzen keine Mördergrube. „Ich habe die Schnauze voll“, gestand er Freunden. Seine Unzufriedenheit mit der Konzernpolitik hatte er aber auch in aller Deutlichkeit höheren Orts artikuliert. Weil sich zumindest in Götzelmanns Augen keine Besserung abzeichnete, war seine Kündigung zum 31. Oktober, drei Jahre vor Ablauf seines Vertrages, die logische Konsequenz. Sein Ausstieg verhalf einem beinahe in Vergessenheit Geratenen zu einem Comeback: Hans Adolf Barthelmeh.

Der Siebenundfünfzigjährige hat mit seinem Vorgänger Götzelmann eines gemeinsam: Er kennt sich mit überraschenden und vorzeitigen Abschieden aus. Nach zwanzig Jahren kontinuierlichen Aufstiegs bei Ford in Köln erreichte er im Januar den Gipfel. Barthelmeh war Vorstandsvorsitzender. Anderthalb Jahre später stand er auf der Straße. Offizielle Begründung: persönliche Gründe.

Gut ein Jahr später war Barthelmeh wieder in Brot und Lohn, als Vorstandschef des Bielefelder Maschinenbaukonzerns Gildemeister. Sein Ausscheiden dort Ende 1978 war ebenso unplanmäßig wie das bei Ford. Der enttäuschte Barthelmeh damals: „Für kein Geld der Welt gehe ich wieder ins Management.“

Solch markige Worte verkniff sich Peter Weiher, ein Ford-Geschädigter wie Barthelmeh. Weiher mußte vor wenigen Wochen den Sessel des Vorstandschefs bei Ford räumen. Doch gab es bei Weiher unter Fachleuten kaum Zweifel daran, daß nicht er, sondern die verfehlte Konzernpolitik die deutsche Ford-Filiale in Bedrängnis gebracht hat. Weihers unbeschädigter Ruf sorgte auch dafür, daß er von seinem ehemaligen Arbeitgeber Volkswagen als Marketing- und Vertriebschef für die amerikanische Tochtergesellschaft angeheuert wurde.

Querelen gab es auch beim kleinsten deutschen Automobilhersteller Porsche. Einige Gesellschafter zeigten sich im vorigen Jahr unzufrieden mit der Geschäftsführung des Porsche-Chefs Ernst Fuhrmann. Dabei konnte Fuhrmann, seit 1971 im Amt, große Erfolge vorweisen: Unter seiner Ägide stieg der Porsche-Umsatz von 400 Millionen Mark auf 1,3 Milliarden Mark, das Unternehmen erzielte den höchsten Gewinn, seiner Geschichte. Aber Fuhrmanns Modellpolitik stieß auf Kritik.

Den Gesellschaftern, die allesamt aus den Familien Porsche und Piëch stammen, Grund genug, den Personalberater Maximilian Schubart auf die Nachfolgersuche zu schicken. Der präsentierte schließlich Peter W. Schutz, der bis Ende 1980 noch im Vorstand der Klöckner-Humboldt-Deutz AG saß. Schutz soll jetzt die langfristige Strategie bestimmen.