Davon kann bei Paul Lichtenberg wohl keine Rede sein. Die Berufung Lichtenbergs zum Vorstandschef der Commerzbank ist auf ein Jahr befristet, und sie gehörte zu den kuriosen Personalentscheidungen des vergangenen Jahres. Denn Lichtenberg, bis dato Aufsichtsratsvorsitzender der Commerzbank, ließ sich zum Nachfolger des vorzeitig und unfreiwillig ausscheidenden Robert Dhom berufen, dessen Vorgänger er war. Die "Notlösung Lichtenberg" (Süddeutsche Zeitung) hatte vorher monatelang vergeblich nach einem neuen Chef für die angeschlagene Commerzbank gesucht.

Für die drittgrößte deutsche Bank ist es ein Armutszeugnis, daß sie weder im eigenen Vorstand noch in der übrigen Wirtschaft einen neuen Vorstandssprecher finden konnte.

Daß nicht immer die schlagzeilenträchtigen Personalentscheidungen gleichzeitig die wichtigen sind, beweisen zwei "Beförderungen" des Jahres 1980, die geräuschlos über die Bühne gingen. Gemessen am kleinen Autobauer Porsche macht der Elektrokonzern Siemens den fünfundzwanzigfachen Umsatz. Aber die Nachfolgeregelung für den Vorstandsvorsitzenden Bernhard Plettner machte nicht mal halb soviel Schlagzeilen wie das Gerangel bei Porsche. Plettners Nachfolger Karlheinz Kaske wurde in aller Ruhe ein Jahr vor der Amtsübernahme ausgewählt.

Von der Öffentlichkeit kaum zur Kenntnis genommen wurde ein Karrieresprung, für den es im Ölgeschäft noch keine Parallele gibt. Walter Kirsten, bisher Vorstand der Deutschen BP und Vorstandsvorsitzender der Tochtergesellschaft Gelsenberg AG, kann sich demnächst wohlklingend Chief Executive and Managing Director nennen. Aber dem nüchternen, sachlichen Kirsten ist sicher wichtiger, daß er künftig Einkauf, Verarbeitung und Verkauf des gesamten vom weltweiten BP-Konzern benötigten Rohöls dirigiert. Kirsten bewegt damit sechzig bis siebzig Millionen Tonnen Rohöl, genug, um damit die Bundesrepublik ein halbes Jahr zu versorgen. Damit dürfte er zum einflußreichsten Deutschen im Ölgeschäft avanciert sein – ganz ohne Schlagzeilen.

Peter Christ